Di

03

Nov

2009

Gegen den Novemberblues

Novemberstimmung

Erste Hilfe gegen den Novemberblues

 

Wie sagte meine Nachbarin heute angesichts des fiesen Nieselregens? "Naja, heute gießt es ja wenigstens nicht mehr wie aus Kannen, aber sooo ein Nieselregen. Ein typischer deutscher November eben". Ich nicke automatisch. Und fühle mich irgendwie grau.

 

Aber dann... Da läuten bei mir alle Alarmglocken. Wir sind mal wieder dabei, die Wetterglaubenssätze rauszukramen. November ist eben nass, grau und unfreundlich, so! Dabei erinnere ich mich ganz genau, dass uns letztes Jahr der November viele schöne Spätherbstsonnentage geschenkt hat. Wie kommt also diese Pauschalisierung zustande? Und wieso stimme ich ganz automatisch, ohne nachzudenken, zu?

 

Glaubenssätze hat nicht nur jeder Einzelne von uns. Glaubenssätze sind das, was wir für unsere Wahrheit halten. Wir haben sie irgendwann einmal gesagt bekommen, aufgeschnappt, gelesen oder sogar gelernt. Oftmals waren sie zum damaligen Zeitpunkt sogar recht nützlich. Im Leben haben wir diese Glaubenssätze manchmal bestätigt bekommen. Oftmals auch nicht, aber das haben wir nicht so recht wahrgenommen. So wie die schönen Sonnentage im November, die nicht in den Glaubenssatz vom grauen November passen.

 

Mit jedem Mal, mit dem wir Glaubenssätze bestätigt bekommen, verfestigen sie sich zur Überzeugung. Irgendwann werden sie nicht mehr hinterfragt. "Siehst du, so ist das eben". Und damit werden sie zu unserer ganz persönlichen Wahrheit. "Das ist eben so." Novembertage sind eben grau und nass.

 

Zu den persönlichen Glaubenssätzen kommen auch noch sogenannte kollektive Glaubenssätze. Das sind solche, die ganze Gruppen von Menschen für wahr halten. Interessanterweise sind das oft sehr negative "Wahrheiten" wie die Krise wird immer schlimmer, der Arbeitsmarkt ist dicht, mit 40 bekommt man keinen Job mehr etc.

 

Und das Wetter gehört auch zum "Feld" der kollektiven Glaubenssätze. Kollektive Glaubenssätze verbinden Menschen auch. Probieren Sie es aus. Wenn nichts mehr geht, über das Wetter reden geht immer. Je mehr Menschen von etwas überzeugt sind, desto größer und stärker wird das Feld dazu, sodaß diese "Wahrheit" auch für immer mehr Menschen scheinbar wahr wird.

 

Kann es sein, dass wir uns das schlechte Wetter kollektiv selbst machen?

 

Ich persönlich finde jedes Wetter schön. Und der November lädt mich dazu ein, duftenden Tee zu trinken, überall Kerzen anzumachen und insgesamt ein bißchen langsamer zu werden. Und das ist auch gut so.

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1 Kommentar

  • #1

    Klaus-Peter Baumgardt (Dienstag, 10 November 2009 00:27)

    Kerzen und Tee: Durchaus. Kann aber auch sentimental und melancholisch stimmen. Ob das dann die "Winterdepression" ist?
    Soo ein bisschen Nieselregen, andererseits, gehört wirklich dazu, wie das Herbstlaub. Auf jeden Fall.

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