Das Schöne an den Fragen

Fragen Sie eigentlich viel? Und fragen Sie gerne? Oder haben Sie lieber Antworten?

 

Komisch nicht? So viele Fragen auf einmal.

 

Eine Frage zu stellen, verrät viel über die Fragestellerin, den Fragesteller. Man gibt sich die Blöße, etwas nicht zu wissen und deshalb zu fragen. Das gibt scheinbar dem Antwortenden die stärkere Position. Aber ist das wirklich so? 

 

Vielleicht erinnern Sie sich an die Sendung mit der Maus. Da heißt es "wer, wie, was - der, die, das. Wieso, weshalb, warum- wer nicht fragt, bleibt dumm". Eine tiefe Weisheit. 

 

Im Verkauf heißt es, wer fragt, der führt. Da ist etwas dran nämlich, dass der Fragende damit die Richtung bestimmt, in die ein Gespräch gehen wird. Ist man sich dessen bewusst, ist es manchmal recht nützlich auch im Alltagsleben.

 

Dann gibt es noch die Zeitgenossen, die Fragen stellen um selbst nicht denken zu müssen oder die Zeit sparen oder welche rausschinden wollen. Deren Fragen sind meist leicht zu enttarnen, denn sie sind oberflächlich und wirken nicht wirklich interessiert. Man spürt das intuitiv und fühlt sich verärgert.

 

Dann gibt es Menschen, die es hassen, wenn sie gefragt werden. Das sind insbesondere solche Fragen, die sie zwingen, ihre Meinung oder ihre Aussagen zu präzisieren. So eine unbeliebte Frage beginnt mit "Was genau ...bedeutet das...meinen Sie damit etc. Solche Fragen erschrecken Menschen, die viel reden, aber dabei nichts sagen. Oftmals bringt sie das in Bedrängnis und entsprechend reagieren sie dann ungehalten.

 

Wer wirklich am Dialog und an Klarheit interessiert ist, begrüßt jedoch Fragen, die Interesse signalisieren.

 

Manche Fragen können auch mal unbeantwortet bleiben. Vielleicht stimmt der Zeitpunkt noch nicht. Hierzu zitiere ich Rilke, der dieses Thema in einem Brief an an einen jungen Dichter beschrieb.

 

“Sie sind so jung, so vor allem Anfang und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

 

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen.

 

Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages, in die Antwort hinein aber nehmen Sie das, was kommt, in großem Vertrauen hin, und wenn es nur aus Ihrem Willen kommt, aus irgendeiner Not Ihres Inneren, so nehmen Sie es auf sich und hassen Sie nichts”. 

 

Das ist schön gesagt, nicht wahr? 

 

 

 

 

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