Just like me - genau wie ich

 

Wie oft geht es ganz schnell, dass wir über andere Leute urteilen. Das Bewerten liegt uns sozusagen im Blut. Solche Gedanken wie, der/die ist faul, blöd, übergriffig, dumm, toll, liebevoll, unfreundlich, böse etc. haben wir alle ganz oft.

 

Alle Sätze, die mit "Der/Die ist...oder der/die ist nicht..." beginnen, sind Bewertungen. Sie müssen nicht einmal ausgesprochen werden.

 

 

Wir sehen jemanden und haben sofort eine Schublade offen, in die wir die Person einsortieren.

 

Das Bewerten lernen wir schon im zartesten Kinderalter. Mütter unterhalten sich untereinander. "Er läuft schon- das ist ein ganz Schneller", "er spricht noch nicht, ist eben langsamer", "der ist genauso wie sein Vater" usw. Wir werden mit anderen Kindern verglichen und mit den Maßstäben, die unsere Eltern anlegen. In der Schule geht das weiter. Wir werden in ein kollektives Bewertungssystem gepresst, ob wir das wollen oder nicht. Längst haben wir das Bewerten zu diesem Zeitpunkt selbst verinnerlicht. Wir vergleichen uns mit anderen Kindern und sortieren andere ein. Oftmals nach den Bewertungskriterien unserer Eltern.

 

Im Erwachsenenleben macht es uns das Bewerten nicht leichter. Hier zählt Wettbewerb. Hier geht es in erster Linie um "ich habe" statt "ich bin". Oder anders gesagt, "wenn ich habe bin ich auch". Und zwar erfolgreich, angesehen, wertgeschätzt. Irgendwann bemerken viele Menschen, dass diese Formel so nicht stimmt. Irgendwie fühlt sich das Haben hohl an und viel haben macht auch nicht unbedingt glücklich.

 

Wenn das erkannt wird, ist der nächste Schritt, sich so weit es irgend geht, aus dem kollektiven Bewertungssystem zu lösen. Es beginnt damit, dass wir aufhören uns pausenlos mit "den Anderen" zu vergleichen. "Ich bin ich und niemand anders ist wie ich" ist richtig. Damit ist nicht gesagt wie ich bin, denn damit bin ich schon wieder am bewerten. Es ist es wichtig, zu akzeptieren er/sie/es ist wie es ist. Das ist erst mal das Grundsätzliche, der erste Schritt.

 

Der zweite Schritt ist, sich zu fragen, womit gehe ich hier in Resonanz, warum ärgert, provoziert es, macht es mich traurig, wütend etc. Wenn er/sie/es nichts mit mir zu tun hätte, würde ich nicht darauf anspringen. Also, was hat das mit mir zu tun? Und dann kann ich schauen, ob ich etwas ändern möchte, an der Situation, an mir.

 

Hilfreich ist auch der Satz, den ich gelesen habe und der mir sofort einleuchtete. Wenn wir uns dabei erwischen, dass wir in die Bewertung gehen, setzen wir einfach ein "just like me" hinten dran. Ein Beispiel. "Der ist einfach zu faul aufzuräumen - just like me." Auch wenn ich selbst immer fleissig am aufräumen bin, ist da etwas in mir, das damit resoniert. Vielleicht fühle ich mich ausgenutzt weil immer ich dann aufräume? Warum räume ich denn auf, wenn er es nicht tut?

 

Weil ich mich wohlfühlen möchte. Ha! Es geht also um mich. Da haben wir es. Und nun wieder die Schritte. Erst mal akzeptieren wie die Sitaution ist. Er räumt nicht auf. Das macht etwas mit mir. Ich kenne jetzt die Zusammenhänge und kann entscheiden, wie ich reagiere. Annehmen, akzeptieren, wenn nötig ändern.

 

Letztlich geht es immer nur um mich. Das hat etwas damit zu tun, dass alles mit allem verbunden ist und die Trennung nur eine Illusion ist. Ändere ich in mir etwas, ändert sich auch bei den Anderen etwas. Deshalb sind auch Schuldzuweisungen völlig unnütz. "Du hast wieder nicht, immer machst du, nie tust du..." haben damit ausgedient.

 

Die Frage heisst "was hat das mit mir zu tun" und bei Bewertungen öffnet ein "just like me- genauso wie ich" den Blick".

 

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