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Juhu, ein Fehler!

oder, warum fehler wichtig sind

 

Bemühst du dich sehr, immer alles richtig zu machen und Fehler zu vermeiden?  Wie geht es dir damit, wenn du einen Fehler gemacht hast? Gehst du hart mit dir ins Gericht, klagst du dich innerlich an oder beschimpfst du dich sogar? Kannst du Anderen gegenüber selbstbewusst einen Fehler eingestehen?

 

Es gibt da solche inneren Sätze wie "ich Trottel hab´s wieder vermasselt, ich bin einfach zu blöd dafür, das muss ich ganz schnell wieder ausbügeln, hoffentlich merkt es keiner..."


Fotos pixabay


Die wenigsten Menschen bemerken, dass sie sich mit dem Fehler ein wertvolles Geschenk gemacht haben. Durch nichts lernen wir schneller als durchs Fehlermachen. In der Geschichte der Menschheit wimmelt es von großartigen Entwicklungen, die durch Fehler entstanden sind. Einfach, weil sie oft als Geistesblitze in etwas Positives verwandelt wurden.


sind Fehler  denn etwas schlimmes?


Fehler scheinen im kollektiven Bewusstsein, vor allem in Deutschland,  etwas ganz Schlimmes zu sein. Keiner will sie machen.

 

Wenn sie doch passieren, müssen sie schnell korrigiert oder auch vertuscht werden. Wir sehen das auch deutlich in der Politik und in der Wirtschaft mit erschreckender Klarheit. Siehe VW usw.

 

Fehlermachen haben wir früh als etwas zu Vermeidendes kennengelernt. Niemand hat uns für die Erfahrung gelobt, die ein Fehler uns gebracht hat. Im schlimmsten Fall wurden wir für Ungeschicklichkeit oder unsere "Dussligkeit" auch noch ausgeschimpft, blamiert oder sogar verprügelt.

 

Eine hohe Fehleranzahl in der Mathearbeit brachte uns eine schlechte Zensur. Wie viele Schüler konnten aus Angst vor der Mathearbeit nicht schlafen? Vor Angst, sie zu verhauen und mit einer vier oder fünf nach hause zu gehen?

Damit hing für uns eine Menge Ärger zusammen. Die Versetzung konnte das gefährden. Die Eltern waren sauer und manchmal folgte eine Bestrafung in Form von Hausarrest oder Nachsitzen, Übungsstunden etc.

 

Manche Menschen sehen noch heute als Erwachsene die rote Tinte ihrer Lehrer vor ihrem inneren Auge, wenn sie Fehler machen. Auch sonst wurde man für Fehler eher getadelt, selten ermuntert, die Chance zu erkennen und daraus zu lernen.


die Folge


Als Folge vermeiden wir nach Möglichkeit, Fehler zu machen. Aber ist das realistisch?

Wir sind als Menschen nicht fehlerfrei. Und das wäre auch ganz schrecklich. Wir würden dann wohl einen wichtigen Teil unsere Menschlichkeit verlieren. Das Lernen, die Neugier, Erfahrungen machen. Ausprobieren und Fehler gehören zur Evolution dazu. Aus Fehlern lernen wir übrigens viel mehr und viel schneller, als wenn alles immer glatt geht. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

 

Natürlich gibt es Gebiete und Situationen, in denen Fehler lebensgefährlich werden können und deshalb unbedingt vermieden werden müssen.

 

Denke nur mal an Mediziner im OP oder Lokführer, Piloten etc. Dort plädiere ich natürlich nicht fürs Fehlermachen. Darum geht es nicht.


fehler und scheitern


 

Bei uns, im deutschsprachigen Raum,  haben Fehler auch unmittelbar mit dem Scheitern zu tun. Besonders, wenn es ums Business geht. Scheitern ist irgendwie endgültig. Man ist gescheitert - nichts geht mehr.

Es schwingt so ein endgültiges Versagen mit und das möchte niemand erleben.

 

In Deutschland ist es anders als z.B. in Amerika, wenn man mit seiner Selbständigkeit, aus welchen Gründen auch immer, gescheitert ist.

 

Bei uns wird akribisch nach Fehlern, nach falschen Entscheidungen, Ursachen und Schuldigen für das Scheitern gesucht. Ein neuer Anlauf kostet Mut und Kraft. Man ist halt gescheitert. Schon dieses Bewusstsein zieht runter und macht einen neuen Anlauf schwer. Vom unsozialen Verhalten der Banken ganz zu schweigen. "Was, noch einen Kredit? Sie sind doch schon einmal gescheitert!"

 

Auch in den Augen der Umwelt ist Jemand, der gescheitert ist, eben irgendwie tragisch, unfähig eben.

 

In Amerika ist das "Scheitern" normal. Ist das Pferd tot, steige ab. Und man beginnt das nächste Business. Niemand würde dort auf die Idee kommen, sich selbst zu steinigen weil Fehler gemacht wurden. Man ist wieder etwas schlauer geworden und wird diese Fehler in Zukunft vermeiden können. Im Gegenteil wird Jemand, der mehre Anläufe macht, besonders gewertschätzt. Der lässt sich nicht unterkriegen, wow!

 

 

Nun sind es ja nicht immer solche folgenreichen existenziellen Fehler, die wir machen. Die meisten Fehler kommen im Alltag vor. Die meisten Menschen erleben sie immer wieder.

 

Den Becher Kaffee über die Tastatur gekippt? Das nächste Mal steht die Tasse eben woanders. Neue Farbe für die Haare ausprobiert und es sieht krass aus? Kein Drama. Wächst sich raus.

Auf eine Geldanlage reingefallen und viel Geld damit verbrannt? So schnell passiert dir das nicht wieder, weil du in Zukunft genauer hinschaust und besser auf deine Intuition hören wirst.

 


meine learnings


 

Ich habe natürlich selbst auch bereits zahlreiche Gelegenheiten gehabt, Fehler zu machen und irgendwann habe ich auch verstanden, dass sie wie eine Art Wegweiser für mich sein können, wenn ich sie verstehe und ich mich nicht selbst deshalb "steinige".

 

Aus einer Email z.B., die ich vergessen hatte abzusenden, entstand sogar etwas Positives. Ich hätte es mir vermasselt, wenn ich die Email nicht vergessen hätte, abzusenden.

 

Ich habe gleich eine ganze Reihe Fehler gemacht und dadurch viel Geld bei einer Geldanlage für mein Alter verloren. Im Nachhinein hatte ich wirklich eine Menge schmerzhaft dadurch gelernt. Über meine Vertrauensseligkeit. Darüber, scheinbaren "Experten" zu vertrauen, über mein Verhältnis zum Geld, über meine Ängste vor Armut im Alter, Loslassen usw. Das war heftig aber lehrreich.

Zukünftig passiert mir so etwas nicht wieder. Ich bin achtsamer geworden und höre mehr auf meinen Bauch.

 


Eigentlich müsste man Jeden, der einen Fehler gemacht hat, beglückwünschen.

 

Hurra, du hast eben wieder eine wunderbare Gelegenheit bekommen zu lernen! Und das ganz gratis!

 

Mach was draus!



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Kommentare: 9
  • #1

    Monika Birkner (Donnerstag, 17 Januar 2013 22:32)

    Liebe Frau Steidinger,

    ein wichtiges Thema. Den sehr kritischen Umgang mit Fehlern erlebe ich auch immer wieder. Von den Amerikanern kenne ich die Formulierung "Failing forward to success". Gemeint ist damit, dass Fehler unvermeidlicher Bestandteil des Lebens und auch der Arbeit sind und dass es darauf ankommt, aus Fehlern Wachstumsmöglichkeiten zu machen. Ich jedenfalls habe für mich gemerkt, dass die Fehler sehr wichtig für meine Entwicklung waren.

  • #2

    Silke Bicker (Mittwoch, 06 Februar 2013 18:01)

    Hallo Frau Steldinger,

    ein guter Beitrag und so wichtig! Als "Steh-auf-Weibchen" fühle ich mich mittlerweile wohl und aus vielen Fehlern lerne ich viel mehr als aus reinen Lobeshymnen.
    Auch lässt sich so besser mitreden und mitlachen, wenn das Gegenüber Ähnliches auch schon mal erlebt hat oder Beratung nötig hat. Das Füllhorn der Erfahrung ist mit Fehlern einfach größer :-) und so können Erfahrungswerte leichter weitergegeben werden.
    Hm, ist das jetzt verständlich?

  • #3

    Barbara Steldinger (Donnerstag, 07 Februar 2013 10:14)

    Liebe Frau Bicker,

    na klar, das ist verständlich ;-). Ich sehe das genauso. Gerade im Coaching finde ich es wichtig zu wissen wie Fehler gemacht werden und wie damit umgehen. Ich erlebe es nämlich sehr oft, wie Menschen sich selbst total selbst verurteilen und fertigmachen weil sie (scheinbar)einen Fehler gemacht haben. Sehr oft wird völlig übersehen, dass scheinbare Fehler manchmal im Nachhinein ein Geschenk sein können. Alles eine Frage der Betrachtung. ;-)

  • #4

    Doris Maas (Dienstag, 26 Februar 2013 10:25)

    Liebe Barbara Steldinger, ich liebe Fehler, denn ich weiss inzwischen, was auf der anderen Seiter der Medaille auch zu mir gehört.
    Beispiel: wenn ich in der Lage bin, 500000€ Minus zu machen, dann bin ich auch in der Lage 500000€ Plus zu machen ;-)) ♥liche Grüße von Doris Maas

  • #5

    Jana Schadt (Mittwoch, 06 November 2019 21:32)

    Fehler geben uns die Chance, es beim nächsten mal anders zu machen.

  • #6

    Stephanie Mertens (Donnerstag, 07 November 2019 09:48)

    Liebe Barbara,

    toll geschrieben und dabei auch schön anzuschauen im Layout, vielen Dank schon mal dafür. :)

    Ich mag den Ansatz sehr Fehler zu begrüssen, weil sie essentiell für unser Erleben, unsere Entwicklung, unser Wachstum sind. Fehler lehren uns viel über uns selbst, und wir lernen dabei auch viel über andere.

    Es ist schwer die erlernte und antrainierte Fehlerkultur zu überwinden, was uns nicht davon abhalten sollte Fehler in unser Leben als natürlich zu integrieren, und so auch etwas zum kollektiven Verständnis der Dinge auch für die Zukunft beizutragen. Damit es anders werden kann und damit "bekömmlicher".

    Liebe Grüße
    Stephanie Mertens

  • #7

    Gabriela Linshalm (Samstag, 09 November 2019 10:54)

    Liebe Barbara,

    vielen Dank für dieses Beitrag. Das Beispiel mit Amerika kenne ich selbst erst seit ein paar Monaten und finde es sehr spannend, wie unterschiedlich doch Kulturen sind. Ja ich habe mich früher auch für jeden Fehler (den allerdings meist die anderen so gesehen haben), gegeißelt. Mittlerweile passiert mir das nicht mehr so oft und ich sehe viel mehr die Geschenke darin.
    Danke für diese wundervolle Bestätigung,

    LG, Gabriela Linshalm

  • #8

    Barbara Eiblmaier (Samstag, 09 November 2019 23:19)

    Liebe Barbara Steldinger,

    über the-coach.net bin ich auf Ihren/Deinen Artikel aufmerksam geworden.
    Es hat mich quasi durch den Artikel gezogen :-)! Danke dafür.

    Ja, Fehler sind da, um daraus zu lernen. Und oft sind sie Weichensteller.

    Am Ende meine Frage an die energetische Unternehmensberaterin: Wie kommt man/Frau am besten in den Flow, Fehler gelassen zu nehmen und als Chance zu sehen?

    Herzliche Grüße
    Barbara Eiblmaier

  • #9

    Barbara Steldinger (Dienstag, 12 November 2019 13:32)

    Liebe Barbara
    es gibt mehrere Strategien, die ich anwende. Eine ist, sich immer zu fragen, was ich daraus lernen soll. Und daraus eine neue Strategie zu entwickeln.
    Sollten sich die Fehler immer wiederholen, so oder in ähnlicher Form, könnte ein Selbstsabotagemuster o.ä. dahinter stecken und dann empfehle ich gerne mein energetisches Coaching weil man dann schauen muss, was steckt wirklich in der Tiefe hinter einem solchen Programm ud das bearbeiten.
    Das wars in Kürze. Ich hoffe das hilft dir weiter,

    alles Liebe
    Barbara