Intros und Extros

 

 

Menschen sind verschieden. Einige geniessen das Bad in der Menge, für andere ist genau das das Grauen schlechthin. Schnell ist man geneigt zu sagen, der Eine ist dann eben introvertiert, der Andere das Gegenteil davon, nämlich extrovertiert.

 

Ganz so einfach ist es wohl doch nicht. Introvertierte können nämlich durchaus auch ein extrovertiertes Verhalten haben. So sind nicht unbedingt alle Topspeaker, Trainer und  Schauspieler extrovertiert. Sie sind es manchmal nur in bestimmten Bereichen ihres Lebens. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Heinz Erhardt, den Komiker. Ein launiger Typ. Privat war er ein schüchterner, zurückgezogener Mensch. 

 

Wir alle tragen beides in uns. Je nachdem, welcher Anteil überwiegt, zeigt sich das im Aussen.

 

Die Unterscheidung von introvertierten und extrovertierten Menschen geht übrigens auf Carl Gustav Jung zurück.

 

Man rechnet, dass etwa 50% der Bevölkerung intro und 50% extro sind. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art der Energiegewinnung. Introvertierte, leise Menschen, brauchen Rückzug und Ruhe um ihre Batterien wieder aufzuladen. Extrovertierte Menschen gewinnen ihre Energie aus dem Kontakt mit (vielen) Menschen und Kontakten.

 

Die moderne Hirnphysiologie kann über Studien nachweisen, dass die Gehirne beider Typen unterschiedlich sind. Bei introvertierten Personen findet im Vergleich zu extrovertierten Personen im frontalen Kortex eine erhöhte elektrische Aktivität statt. In diesem Bereich des Gehirns findet die Auseinandersetzung mnit inneren Vorgängen statt. Dort ist der Sitz für Lernen, Entscheiden, Erinnern und Problemlösen. Auch andere medizinische Unterschiede liessen sich nachweisen.

 

Die Introvertierten haben es in dieser Welt, die Extrovertiertheit herausfordert und als Maß aller Dinge deklariert, schwer. Fragt man Menschen nach Eigenschaften, die diese mit Introvertiertheit verbinden, kommen meistens negative Eigenheiten. Beispielsweise uninteressiert, konfliktscheu, schüchtern, abwesend, kontaktarm, unnahbar, verschlossen, unkommunikativ, unscheinbar. Kein Wunder in einer Welt, die immer lauter, greller, schneller und anstrengender wird. Da werden auch nur noch die Lauten, Schillernden wahrgenommen.

 

Zu unrecht werden die Introvertierten, in solche negativen Schubladen gesteckt. Dabei haben die leisen Menschen eine Menge Stärken vorzuweisen. Sie gehen mehr in die Tiefe,  denken erst nach bevor sie reden, beobachten viel, brauchen wenig äussere Anregungen, arbeiten auch gerne alleine. Was sie nicht schätzen ist oberflächlicher Smalltalk, Zeitdruck, Multitasking, laute Menschen.

 

Das ist nur ein ganz kurzer Abriss. Wer sich mehr dazu einlesen möchte, dem empfehle ich das Buch von Sylvia Löhken "Leise Menschen-starke Wirkung" Verlag GABAL

 

 

 

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