Der Seniorenteller ist out!

 

Früher, also so etwa mit Anfang Zwanzig,  habe ich mir kaum darüber Gedanken gemacht, ob und wie alt ich wohl mal werden würde. Ich hatte das Gefühl, noch endlos Zeit zu haben.

 

Das Alter war noch sehr weit weg und in meinen Augen auch nicht besonders erstrebenswert. Mein Bild alter Menschen war natürlich durch mein Umfeld geprägt.

 

Dieses Umfeld suggerierte mir, dass altwerden gleichbedeutend mit krank und unzufrieden mit sich und der Welt sei. Hatte ich doch damals nur unzufriedene, verbitterte, vom Leben gebeutelte, alte Menschen kennengelernt, die sich vor allem mit den Unzulänglichkeiten des Lebens und vor allem mit ihren Gebrechen beschäftigten.

 

Das war nun wirklich nicht erstrebenswert für mich. Mir fehlte damals auch noch das liebevolle Verständnis für die alte Generation, die viel Schlimmes erlebt hatte.

 

Zum Glück habe ich im Laufe der Jahre viel über mich und die Anderen lernen dürfen und in diesem Zuge hat sich zwangsläufig auch mein Umfeld gravierend verändert. Waren früher die Menschen um mich herum mehrheitlich der Meinung, dass man im Alter sowieso zwangsläufig krank wird, bestimmt einen Rollator brauchen wird und froh darüber sein kann, dann hoffentlich wenigstens halbwegs versorgt zu sein, haben sich die Bilder für mich nun gravierend verschoben. Das macht mir Mut.

 

Immer mehr alte Menschen, und mit alt meine ich weit über 70, 80 Jahre und älter, zeigen sich in meinem Leben nun ganz anders. Da gibt es den Neunzigjährigen, der im Winter Eis baden geht und auch sonst jeden Morgen in den See springt, egal wie das Wetter ist. Der jeden Tag mit Kopfhörer auf den Ohren tapfer seine Runde walken geht um nicht einzurosten. Da gibt es den über Siebzigjährigen, der völlig verwilderte Grundstücke mit Manpower, und zwar seiner eigenen, wieder urbar macht, Häuser von Hand abreißt und manch einem Jüngeren etwas vormacht mit seiner Kraft und seinem Elan. Der lebt als würde er niemals sterben und keinen Gedanken daran verschwendet, dass er für irgendetwas zu alt sein könnte.

 

Da gibt es die hoch in den Achtzigern, deren Garten immer noch von ihr selbst handgepflegt pikobello ist und die über Achtzigjährige, die sich im hohen Alter für Energiearbeit interessiert und fasziniert verfolgt, was ich auf diesem Gebiet so Neues dazu lerne und probiere. Das alles finde ich sehr ermutigend.

 

Dagegen kenne ich natürlich immernoch auch die Vertreter der typischen kollektiven Glaubenssätze über das Altern. Da wird beim Kaffeetrinken gemeinsam darüber sinniert, dass es ja jetzt nur noch bergab gehe, die Alten sowieso keiner mehr wolle und überhaupt früher alles besser gewesen sei. Das kann kann man bei manchem  Schwatz zwischen älteren Nachbarn am Gartenzaun oder im Cafe hören und manchmal schon von Menschen um die Fünfzig. Da, nämlich zeigen sich die ersten Zipperlein und schon passen für viele scheinbar die erlernten, ererbten oder auch angelesenen Glaubenssätze.

 

Ja, auch angelesen, das gibt es. Schau doch mal in Zeitschriften für „Senioren“ oder „Best Ager“. "Senioren" sind übrigens nach neuestem Verständnis Menschen mit 50plus. Was für ein Hohn.

 

Wie tief völlig überholte Überzeugungen sitzen, habe ich unlängst selbst erfahren dürfen. Seit ich sechzig geworden bin, bekomme ich plötzlich unangeforderte Einladungen zum kostenlosen Hörcheck, Probeangebote für Inkontinenzeinlagen und Angebote für Treppenlifte. Das hat mich kurzzeitig sprachlos gemacht aber auch amüsiert und sensibilisiert für das Thema. Es hat sich wohl immernoch nicht allgemein herumgesprochen, dass die meisten 50, 60, 70 jährigen heutzutage ganz anders drauf sind als noch in der Generation davor.

 

Menschen der Altersgruppe 50+ bekommen tatsächlich extra Kurse zum Internet lernen, im Fitnesscenter und bald wohl auch den Seniorenteller, wegen der sensiblen Verdauung im Alter...

 

Ich will aber keinen Seniorenteller!

 

Viele Fünfzigjährige plus die, die ich kenne und vor allem die Frauen, zu denen ich mich auch zähle,  sind fit wie nie, attraktiv, gut gebildet und sehr unternehmenslustig. Viele von ihnen beginnen gerade mit 50+ noch mal etwas Neues. Sie gründen Unternehmen oder trennen sich mutig aus überlebten Beziehungen um sich und ihr Leben noch einmal neu zu erfinden. Endlich sind die Kinder erwachsen, sie haben für sich Zeit und entdecken sich selbst wieder neu. Auch sie treffen natürlich solche Schicksalsschläge wie Tod, Verluste und Krankheit aber das hindert sie nicht daran, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen und selbst die Regie darin zu führen.

 

Da kann von "Senioren" wirklich keine Rede sein. Diese wachen Frauen haben keine Glaubenssätze, die sie daran hindern, das Leben nicht nur zu meistern, sondern zu lieben und zu genießen. Offensichtlich glauben sie einfach nicht, was andere in ihrem Alter für die Wahrheit halten. Sie sind das beste Beispiel dafür, wie die Macht der Gedanken wirkt. Im Innen wie im Außen.

Sie übernehmen Verantwortung für sich und ihr Leben und haben oft viel Spaß und Erfolg damit.

 

Das ist vielleicht unbequemer als einfach zu resignieren und Gott und die Welt verantwortlich für das eigene langweilige Leben zu machen, aber es erhält sichtbar jung! Ein Vorteil des "Alters" kann sein, dass man nicht mehr auf jeden Trend reinfällt und eine gewisse Abgeklärtheit sich einstellt.

 

Und damit ist der Seniorenteller endgültig vom Tisch!

 


https://www.youtube.com/watch?v=4PgTI1cwpfk


Zwei tolle Beispiele wie alte Frauen noch drauf sein können stelle ich dir hier vor. Es sind kurze Videos, schau gerne rein. ich bin jedenfalls begeistert!

 

http://www.ardmediathek.de/tv/Menschen-hautnah/Oma-geht-nach-Afrika/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7535538&documentId=39926754

http://www.ardmediathek.de/tv/Menschen-hautnah/Gisela-on-the-road-Mit-75-unterwegs-im/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7535538&documentId=45097880


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Kommentare: 6
  • #1

    Dr.Strittmatter Beate (Freitag, 03 April 2015 14:05)

    Toller Text, tolle Ideen.
    Wir werden uns treffen - Sie und ich (und damit WIR - viele Frauen 50plus in meinem Umfeld)!

    Grüsse
    Dr.B.Strittmatter

  • #2

    Barbara Steldinger (Freitag, 03 April 2015 19:45)

    Liebe Frau Dr. Strittmatter

    sehr gerne! Freu mich drauf. Gemeinsam sind wir eine Macht!
    herzliche Grüße
    Barbara Steldinger

  • #3

    Leonie Walter (Samstag, 09 Mai 2015 17:30)

    Korrekt! Daher auch mein Beschluss: ich werde so lange ich lebe, fit und gesund sein - egal in welchem Alter, und ich werde ständig neues lernen und aktiv sein. Seniorenteller sind lächerlich!

    LG Leonie

  • #4

    Birgit (Sonntag, 13 August 2017 18:32)

    Interessanter Gedanke. Ob mein Gesundheitszustand im Alter etwas mit meinen Glaubenssätzen bzgl. Alter zu haben wird...

  • #5

    Barbara Steldinger (Sonntag, 13 August 2017 19:57)

    definitiv, liebe Birgit :-)

  • #6

    Christa Maas (Montag, 14 August 2017 09:25)

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde es auch engstirnig und unpassend, dass immer wieder Menschen ab 60 in einen Topf geworfen werden mit Essen auf Rädern, Treppenliften, Rollatoren und dgl., so auch bei der Messe 66plus in München, und manchen Artikeln oder Werbung z. B. im kostenlosen Heft "Treffpunkt 55" oder wo auch immer. Mir kommt es wie Abzocke vor, wenn Menschen jenseits der 60 regelmäßig Angst eingeflößt wird. Ja sogar von Menschen in mittleren Altersstufen habe ich schon gehört, dass sie Angst vor dem Alter haben. Unfassbar ! Ich war weit mehr mit Krankheit und Unwohlsein in früheren Jahren unterwegs als heute, jenseits der 65. Und ja, Glaubenssätze, übernommene Muster und Prägungen spielen immer eine Rolle.