Wer ist eigentlich "man"?




Wer ist eigentlich „man“?

 

Was mir im Gespräch mit anderen Menschen, auch bei Interviews, die ich  im Fernsehen sehe, immer wieder auffällt ist, dass sie oft „man“ sagen statt „ich“ obwohl sie eigentlich sich selbst meinen.





Ein Beispiel: „Da ist man nicht so eingebunden“, „da steckt man nicht drin“, „da hat man nicht lange überlegt“, „das kann man nicht wissen“, „dazu kann man nichts zu sagen“ etc.

 

Ich habe versucht herauszubekommen, ob das eigentlich irgendwelchen Regeln folgt. Leider nein, es gibt nichts, was sich einordnen lässt.  Es ist auch nicht so, dass mehr Frauen als Männer oder mehr junge oder ältere Menschen das „man“ gewohnheitsmäßig benutzen. Warum wird es so oft benutzt?

 

Gewohnheit


Ein Aspekt ist die Gewohnheit. Wer beim Reden nicht so sehr variabel ist, benutzt immer wieder, ohne viel zu überlegen, dieselben Wörter und Sätze. Besonders  kollektive Glaubenssätze werden, ohne groß zu überlegen, so dahingesagt. Damit ist man in guter Gesellschaft, denn die Anderen reden auch so, man wird also verstanden. „Das weiß man doch“, man kann nicht alles haben“, „das muss man sich gut überlegen“, man muss sich eben entscheiden“, „das macht man nicht“, „da hat man keine Wahl“.


Das alles sind Überzeugungen, Prägungen, die nicht mehr bewusst hinterfragt werden, denn die haben wir als Kinder schon gelernt und das „weiß man eben“.

 

Verantwortung


Mit dem Wörtchen „man“ ist es leicht, einen gewissen Abstand zu schaffen. Es ist ein Unterschied, ob ich auf eine Frage antworte „ich weiß das nicht“ oder „man weiß das nicht“.  Mit „ich“ positioniere ich mich eindeutig, mit „man“ ist das so ein bisschen allgemeiner, verwaschener. Damit ist man nicht eindeutig in der Verantwortung, aber auch nicht in seiner Kraft. Bin ich in meiner Kraft, habe ich eine ganz andere Ausstrahlung und kann auch selbstbewusst „ich“ sagen wenn ich „ich“ meine.

 

Ich bin immer versucht, wenn mir jemand mit „man“ auf meine Frage antwortet, zu fragen „wer, du oder man?“. Meistens sind die Leute ganz überrascht weil ihnen das nicht auffällt. Versuch das mal in deiner Umgebung. Höre eine Woche lang genau hin, wie die Leute reden und achte auch darauf, wann du dich hinter „man“ versteckst. Aber Achtung, das genaue Hinhören hat Suchtgefahr. Viel Vergnügen!


PS: Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mich auch dabei erwischt, öfter das bequeme „man“ zu benutzen. Verallgemeinerungen leben vom „man“. Aber es geht auch anders. Das habe ich gerade eben hier ausprobiert.

 

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