Viel hilft viel?

 

Marketing ist eine Kunst

 

 

 

 

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Mit dem Marketing von Soloselbständigen ist das so eine Sache. Niemand weiß eigentlich wirklich ganz genau, wie es am besten funktioniert. Aber es gibt viele Meinungen, also eigentlich Glaubenssätze, darüber wie es gehen soll und was man unbedingt tun und lassen sollte.

 

Einer davon ist, dass man überall und möglichst dauernd sichtbar sein zu muss. Je mehr (öfter) du sichtbar bist, desto mehr Kunden bekommst du, heißt es. Und so passiert es leider, dass einige selbständige Menschen das ganz wörtlich nehmen und dauernd online sind. Sie wollen "vorn im Kopf" ihrer Kunden sein.

 

Von allem zu viel

 

Ich sehe das besonders oft auf Facebook. Natürlich ist FB ein Medium, das sehr nützlich sein kann. Nirgendwo sonst erreicht man so viele Menschen in so kurzer Zeit. Wenn man mal von den dauernd wechselnden Algorithmen von FB absieht, die nicht unbedingt dazu beitragen, dass man wirklich viele Leute erreicht. Das nur nebenbei.

 

Was mir aber zunehmend negativ auffällt, sind einige KollegInnen und ich rede jetzt von der Berufsgruppe der Coaches, Berater und Therapeuten, die quasi ununterbrochen präsent sind. Da wird drei oder viermal am Tag etwas gepostet. "Ich poste also bin ich". Beliebt sind schlaue Ratschläge, Lebensweisheiten, die niemand braucht, Statements, was man gerade macht oder „Erkenntnisse“, die schon uralt sind, nur offenbar für den Autor nicht. Gähhn.

 

Automatisierung ist nicht immer von Vorteil

 

 

Ich finde, dass die offene oder versteckte Eigenwerbung in den sozialen Netzwerken eine teilweise absurde Form angenommen hat.

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Wenn ich, z.B. als Coach, alle möglichen FB-Gruppen, die Coaches wahrscheinlich lesen,  mit meinen Postings überziehe und dies noch dazu am besten zeitgleich und auch in den anderen sozialen Netzwerken wie Google+ oder LinkedIn usw., dann kann ich mir nicht vorstellen, dass das wirklich etwas bringt.

 

Diese Vorgehensweise entbehrt jeder Logik und auch der Wertschätzung gegenüber den potentiellen Leserinnen und Lesern. Zum einen wollen all die anderen Coaches auch Kunden gewinnen und verstehen sich selbst nicht als potentielle Kunden. Zum anderen nervt es unendlich, überall ein und dieselbe Person mit den selben Texten und Angeboten anzutreffen. Hootsuite* lässt grüßen.

 

Was dir scheinbar die Arbeit abnimmt und automatisiert deine Postings in die Netzwerke bringt, kann genau deswegen genauso gut nach hinten losgehen. Da heißt es, Fingerspitzengefühl zu haben und wohldosiert zu automatisieren. Ich persönlich halte davon nichts. Mir sind meine LeserInnen zu wichtig für automatische Beglückung. Ich mag es persönlich.

 

*Hootsuite ist ein Programm zur Automatisierung der Postings zeitgesteuert auf vielen Kanälen

Wie man durch zu viel Präsenz „verbrennt“

 

Mir fällt es auf, wenn Leute die "Marketingmaschine" anwerfen. Vor allem, wenn sie das durch Omnipräsenz tun. Mit Masse statt mit Klasse. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Irgendwann ist der Punkt, wo ich die mir eigentlich bisher sympathische Person, nicht mehr sehen kann und nur noch entnervt weiterscrolle oder mich "entfreunde". Das hat sie so sicher nicht geplant und auch nicht verdient. Nerviges Marketing eben. Das kann mehr schaden als nützen.

 

Übrigens gibt es das im richtigen Leben auch mit Schauspielern, Sängern etc. Siehe Helene Fischer. Gibt es noch etwas, wo sie nicht präsent ist? Ist sie deshalb noch beliebter geworden?

 

 

Oder es wird ein Posting direkt so geschrieben, dass die Absicht (Boey bin ich gut, lobt mich) dahinter vorguckt.

 

Ich halte es da mit Goethe, der dazu meint „So fühlt man die Absicht und man ist verstimmt“.*

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 *Goethe, Torquato Tasso, 1807. 2. Akt, erster Auftritt, Tasso zur Prinzessin

Wie sollte also ein gutes Marketing in den Netzwerken aussehen?

 

 

Gut heißt wohldosiert posten. Gut heißt regelmäßig, aber nicht ununterbrochen.

 

Gut heißt für mich, echten Mehrwert zu liefern oder wenigsten etwas wirklich Lustiges, Witziges, Informatives beizutragen.  Wem nützen Schnappschüsse aus dem Urlaub und dazu ein Text über das Essen, das Wetter und  was weiß ich. Was will uns die Schreiberin damit sagen? Dass sie sich auch im Urlaub keinen Urlaub erlaubt? Oder, ätsch, ich kann mir Urlaub leisten? Oder dieses unsägliche, „ich kann mein Business von überall betreiben“?

 

Gut heißt, viel zu kommentieren. Aber sinnvoll, beitragend, wertschätzend. Gut heißt, dass es auch ohne mehr oder weniger versteckte Eigenwerbung geht. Auf der eigenen Fanseite ist Werbung sinnvoll, aber nicht auf den Seiten deiner „Freunde“ erlaubt. Das wäre ganz schlechter Stil.

 

Gut heißt auch, dass Likes eigentlich völlig unwichtig sind. Wer nur schreibt, um viele Likes zu bekommen, hat nicht verstanden, was für ein tolles Instrument Facebook sein kann. Viele Likes zu haben, bedient das Ego. Weiter nichts.

 

Facebook ist nützlich

 

Wenn man das alles beachtet, dann wird Facebook zu einem angenehmen Ort, an dem man sich austauscht und wirklich echte Freunde oder auch Kollegenrat finden kann.

Nirgendwo bekommt man schneller Feedback bei fachlichen Fragen.

 

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Ich schätze es sehr, dass es für mich einige Gruppen gibt, in denen wirklich Austausch und gegenseitige Hilfe stattfindet. Viele tolle Leute habe ich schon bei Facebook online kennengelernt und auch später persönlich im echten Leben. Das möchte ich nicht mehr missen. Mit den sozialen Netzwerken ist es wie mit allem.

 

Die Dosis macht das Gift heißt es bei Paracelsus und das ist wohl immernoch wahr.