Wer sind denn deine Arschengel?

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Wie geht es deinen Arschengeln? Was, du hast keine? Glaub ich dir nicht. Bestimmt kennst du Einige. Das sind zum Beispiel solche Leute, die immer ganz genau wissen was richtig ist und die einen damit so richtig auf die Palme bringen können.

 

Zum Beispiel lernen sie Menschen kennen und schwupps, haben sie die Schublade auf, in die diese Menschen ihrer Meinung nach gehören. Haben sie sich einmal eine Meinung gebildet, lassen sie es dabei bewenden. Sie nehmen ihre eigenen Filter als die absolute Wahrheit. Damit vergeben sie sich leider die Chance, sie wirklich kennen zu lernen.

 

Ihr Lieblingssatzanfang ist "Du bist oder der/die ist...

 

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Oder sie erleben etwas und fühlen sich autorisiert, nicht nur ihre Meinung kundzutun wie es auf sie gewirkt hat, ob es ihnen gefallen hat oder nicht. Oder ob sie selbst etwas davon hatten oder nicht. Ob sie vielleicht andere Erwartungen hatten und nun bloß enttäuscht sind. Das wäre das, was angemessen ist. Nein, was Arschengel machen ist, andere zu belehren, zurechtzuweisen, meist von oben herab und damit deren "Knöpfe" zu drücken.

Manche von ihnen nehmen sich heraus, im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Mitmenschen zu beurteilen. Die Kassiererin ist etwas langsam - die ist ja lahm, wohl zu faul zum arbeiten. Der Lehrer schafft es nicht, dass der Sohn Mathe begreift - der ist einfach unfähig. Der Autofahrer vor uns fährt zu langsam - wo hat der denn die Pappe her.

 

Mit solcher Bewertung stellt sich der Arschengel, schwupps eben mal, eine Stufe höher als der von ihm Bewertete. Egal, ob ihm das überhaupt zusteht, finde ich das höchst bedenklich. Zum einen kann er sich um 100% irren, zum anderen steht ihm Bewertung gar nicht zu. Interessanterweise sind die Bewertungen meistens negativ, selten wird spontan gelobt.

 

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Mein Arschengel

 

Ich selbst habe natürlich auch hin und wieder mit solchen Arschengeln zu tun. Vor einiger Zeit hatte ich eben so ein Erlebnis mit einem weiblichen Arschengel.

 

Die Kundin wollte ein Paket von Coachingstunden kaufen. Ein Paket ist preisgünstiger als Einzelstunden und ist deshalb generell natürlich vorab zu bezahlen. Ich versendete also wie immer die Rechnung und fragte dann nach ein paar Tagen ganz freundlich an, ob sie denn meine Rechnung nicht erhalten habe, da noch kein Geldeingang zu verzeichnen war, das Coaching aber schon begonnen hatte.

 

Normalerweise klärt sich so etwas ganz schnell und freundlich. Manchmal rutscht ja so eine Rechnung einfach durch. Passiert mir auch. Die Reaktion dieser Kundin war jedoch anders. Sie sendete mir eine Email, in der sie mir ein paar Paragraphen um die Ohren schlug, nach denen Dienstleistungen erst nach Leistung zu bezahlen wären und wie ich überhaupt dazu käme, sie jetzt schon zu mahnen. Wom!

 

Sie war mit ihrer ganzen Argumentation definitiv im Unrecht, was ein Telefonat mit meiner Steuerberaterin klärte. Mich brachte sie damit aber ziemlich in meine Prozesse.

 

Erste Reaktion - wütend. Was bildet die sich ein? Kostet schließlich meine Zeit, mich dazu kundig zu machen und mich überhaupt damit abgeben zu müssen.

 

Zweite Reaktion - ok, was hat das jetzt mit mir zu tun? Was in mir kreiert mir so eine Situation? Und damit war ich sofort wieder runter vom Bäumchen und am Analysieren. Das gab mir Gelegenheit, ein eigenes, nicht so schönes, Muster genau anzuschauen und aufzulösen.

 

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Merke

 

Die, die uns am meisten antickern, die uns auf die Nerven gehen, uns auf den Zehen stehen, uns unverschämt begegnen oder sonst irgendwie zur Weißglut bringen, sind unsere besten Lehrer. Sie geben uns nämlich die Gelegenheit, unsere Schattenseiten genauer anzuschauen.

 

Was hat das mit mir zu tun?

Was kann ich hier lernen?

Was soll mir das zeigen?

Was spiegelt er(sie) mir?

 

Wenn du bereit bist, das zu hinterfragen, kannst du deinem Arschengel dankbar sein. Dann hat er seine Sache nämlich gut gemacht, denn er hat dich dazu gebracht, dort hinzuschauen, wo du sonst nicht hinschauen möchtest.

 

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In meinem Fall brachte es mich dazu, genauer hinzuschauen, warum diese Frau sich wohl so verhalten haben könnte und wie ich lernen kann, nicht persönlich angegriffen und beleidigt zu reagieren sondern unterstützend für sie, damit umzugehen.

 

Ganz offensichtlich hatte sie ja ein Problem damit, mir ganz einfach klipp und klar zu sagen, dass sie ihren Kauf rückgängig machen möchte, was überhaupt kein Problem für mich gewesen wäre. Und ich habe gelernt, dass es völlig ok ist, wie ich mit meinem Rechnungswesen verfahre und mich nicht durch forsches Auftreten verunsichern zu lassen.

 

Den Begriff "Arschengel" habe ich übrigens ursprünglich bei Robert Betz gefunden. Ich finde ihn wunderbar passend.  Lieben wir unsere Arschengel für jede Gelegenheit, immer weiter zu wachsen.

 

Schreib mir doch mal, welche Arschengel dir so begegnet sind. Ich bin gespannt.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Angelika (Mittwoch, 15 Februar 2017 10:46)

    Liebe Barbara,
    solch ein Arschengel ist mir vor Kurzem begegnet, daher kommt mir dein Artikel wie gerufen... ;-) Ich wollte mich für einen spirituellen Wochenendworkshop in München anmelden und rief bei dem zuständigen Mann an, weil ich dazu noch ein Frage hatte. Es ging mir darum, dass er nur einen undatierten Blankoscheck akzeptierte, den ich im Voraus abschicken sollte. Einschreiben wollte er (laut seinem schriftlichen Programm) nicht haben, (dann wäre meine Post wenigstens etwas abgesichert gewesen), mit dem Argument: Seine Lebensgefährtin, die das Seminar leitete und er seien viel zu oft verreist und könnten dann das Einschreiben nicht annehmen.
    Ich konnte mich nicht verdeutlichen - er unterbrach mich am Telefon ständig und unterstellte mir immense Angst, weil ich die 380.- Euro nicht eben mal so ungesichert abschicken wollte. Es sei ihm in den 30 Jahren, in denen er und seine Lebensgefährtin diese Kurse veranstalteten, noch nie passiertt, dass ein Scheck weggekommen sei.
    Ich antwortete daraufhin mehr spasseshalber, dass ich das dann wohl 'nach Oben' abgeben muss, damit ich bei dem Workshop mitmachen kann. Und schon hatte er mich wieder am Kanthaken... Er nannte mich "Gute Frau", bekommen Sie sich wieder ein und beschied mir, dass ich mit meiner Hektik und meiner Unruhe nicht in seine Gruppe passe.
    Er hat mich dann noch weiterhin ständig unterbrochen, bis ich ziemlich kleinlaut aufgab...
    Es gebe zu, dieses Telefonat hat mich in meinen Grundfesten erschüttert! Das Schlimmste war, dass ich mich weder verteidigen konnte noch überhaupt mein Anliegen vorbringen konnte. Offen gesagt weiss ich immer noch nicht, wozu das Ganze gut war... Deine 4 Fragen im Text konnte ich daher noch nicht so wirklich beantworten. Deine Zeilen regen mich jedoch dazu an, noch selbstflektiver in mich hineinzuschauen!
    Danke dafür!

    Herzlichst, Angelika