Ganz egal

Warum es völlig egal ist ob du intro oder extro bist

 

 Menschen sind verschieden und das ist auch gut so.

Obwohl, in der Tiefe unterscheiden wir uns nicht besonders voneinander. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

 Manche Menschen wundern sich, warum sie nicht so offen, kontaktfreudig und aufgeschlossen sein können wie andere. Sie haben noch nicht erkannt, dass das eine Veranlagung ist, die sie schon mitgebracht haben.

 

Einige genießen das Bad in der Menge, brauchen andere Menschen um sich wohl zu fühlen. Für andere ist genau das das Grauen schlechthin. Sie sind gerne mit sich  alleine oder nur mit einer überschaubaren Anzahl von vertrauten Menschen in Kontakt.

 

 

Schnell ist man nun geneigt zu sagen, der eine ist dann eben introvertiert, der andere das Gegenteil davon, nämlich extrovertiert. Vorsicht mit Stempeln!

 

Ganz so einfach ist es wohl nicht. Es ist nämlich überhaupt nicht so offensichtlich wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheint. Introvertierte können nämlich durchaus auch extrovertiertes Verhalten haben. Es ist in ihnen auch angelegt oder sie haben es sich antrainiert.

 So sind nicht unbedingt alle Topspeaker, Trainer und Schauspieler extrovertiert. Sie sind es manchmal nur in bestimmten Bereichen ihres Lebens. Oft ist es nur in dem Beruf, den sie ausüben. Vielleicht erinnerst du dich noch an Heinz Erhardt, den Komiker? Ein launiger Typ. Privat war er ein schüchterner, zurückgezogener Mensch. Davon gibt es viele Beispiele. Ob Politiker es auch sind, wäre auch mal interessant

Wir sind beides

 

 Wir alle tragen jedenfalls beides in uns. Je nachdem, welcher Anteil überwiegt, zeigt sich das im Außen und wird mehr gelebt. Außerdem hat es auch etwas mit dem Umfeld zu tun, in dem wir aufwachsen, wie ausgeprägt die jeweiligen Anteile sind.

 

 Die Unterscheidung von introvertierten und extrovertierten Menschen geht übrigens auf Carl Gustav Jung ( † 6. Juni 1961) zurück. Man nimmt an, dass etwa 50% der Bevölkerung intro und 50% extro sind. Das kann irritieren, denn man nimmt irgendwie immer mehr scheinbar Extrovertierte wahr. In den TV Shows, besonders im Trash TV, sieht man heutzutage lauter Menschen, die offenbar ihren extrovertierten Anteil zeigen wollen.

 Die Intros sind viel weniger präsent im öffentlichen Leben.

 

Intros und Extros unterscheiden sich vor allem in der Art ihrer Energiegewinnung.

 

Introvertierte, leise Menschen, brauchen Rückzug und Ruhe um ihre Batterien wieder aufzuladen. Sie sind dann am besten in der Natur aufgehoben oder auch mit sich alleine zuhause. Lärmende Menschenmengen wie etwa in einem Fußballstadion würden sie endlos erschöpfen.

 

 

Extrovertierte Menschen gewinnen ihre Energie aus dem Kontakt mit (vielen) Menschen und Kontakten. Für sie ist es wichtig, unter die Leute zu kommen. Mit sich alleine in der Natur würden sie sich äußerst unwohl fühlen. Sie mögen, im Gegensatz zu den introvertierten Menschen, Großveranstaltungen. Sie gehen gerne in die Stadt, flanieren, shoppen, im Café sitzen, Menschen treffen. Sie feiern gerne und stehen auch gerne im Mittelpunkt. Da tanken sie richtig auf.

 

Die moderne Hirnphysiologie kann über Studien nachweisen, dass die Gehirne beider Typen unterschiedlich sind. Bei introvertierten Personen findet im Vergleich zu extrovertierten Personen im frontalen Kortex eine erhöhte elektrische Aktivität statt. In diesem Bereich des Gehirns findet die Auseinandersetzung mit inneren Vorgängen statt. Dort ist der Sitz für Lernen, Entscheiden, Erinnern und Problemlösen. Auch andere medizinische Unterschiede lassen sich nachweisen.

Extrovertierte Welt

 Die Introvertierten haben es in dieser Welt, die Extrovertiertheit herausfordert und als Maß aller Dinge deklariert, schwerer. Fragt man Menschen nach Eigenschaften, die diese mit Introvertiertheit verbinden, kommen meistens negative Eigenheiten. Beispielsweise uninteressiert, konfliktscheu, schüchtern, abwesend, kontaktarm, unnahbar, verschlossen, unkommunikativ, unscheinbar.

Kein Wunder, in einer Welt, die immer lauter, greller, schneller und anstrengender wird. Da werden auch nur noch die Lauten, Schillernden wahrgenommen.

 

Zu Unrecht werden die Introvertierten, in solche negativen Schubladen gesteckt. Die leisen Menschen haben eine Menge Stärken vorzuweisen.

Sie gehen mehr in die Tiefe, denken erst nach bevor sie reden, sind weniger oberflächlich, beobachten viel, brauchen wenig äußere Anregungen, arbeiten auch gerne alleine und sind dabei meisten sehr gründlich und gewissenhaft. Was sie nicht schätzen ist oberflächlicher Smalltalk, Zeitdruck, Multitasking, laute Menschen. Das bringt sie aus ihrer Mitte und behindert ihren Arbeitsfluss.

 

Ich selbst habe mich lange nicht richtig einsortieren können.

Durch meinen Beruf als Trainerin habe ich extrovertiert sein müssen. Trotzdem bin ich von der Anlage eher introvertiert. Je älter ich werde, desto deutlicher wird das. Dieser Erkenntnis habe ich mit meiner jetzigen Arbeit Rechnung getragen. Ich arbeite von zuhause aus und online bzw. per Telefon.

Inzwischen wohne ich am Stadtrand, im ruhigen Grünen. So kann ich Energie tanken. Und, wenn ich meinen extrovertierten Anteil leben will, fahre ich einfach in die Stadt oder veranstalte ein Seminar. So muss ich nicht gegen meine Veranlagung arbeiten.

 

Wie ist das mit dir? Wo findest du dich wieder und trägst du dem schon Rechnung?

 

Buchempfehlung

 

Das ist nur ein ganz kurzer Abriss. Wer sich mehr dazu einlesen möchte, dem empfehle ich das Buch von Sylvia Löhken "Leise Menschen-starke Wirkung" Verlag GABAL

 

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