"Du bist?"

"Du bist" oder "Ich bin"?

Das, was wir als Kinder erleben, prägt uns viel mehr als wir es bewusst  wahrhaben.  Die Großen haben uns damals die Welt erklärt. Also das, wie für sie die Welt funktionierte. Und wir waren noch viel zu klein um zu beurteilen, ob das wirklich so stimmt. Für uns war das die Wahrheit, was Mama und Papa sagten. Auch das, wie wir angeblich sind, haben meist zuerst Mama und Papa gesagt und natürlich habe wir auch das geglaubt.

foto pixabay

Ohne, dass es jetzt Elternschelte werden sollen. Unsere Eltern haben zu jeder Zeit genauso gehandelt wie sie es wussten und konnten. Und meistens wollten sie das Beste für uns.

Aber, vieles, wovon wir heute überzeugt sind, zu sein, ist nicht wirklich wahr. Wir alle haben bestimmte Überzeugungen darüber, wie wir angeblich sind.

Diese Prägungen haben wir uns nicht ausgedacht, sie wurden uns „aufgestempelt“ und leider verhindern sie so manche geniale Entwicklung.

 

Folge mir bitte gedanklich in die folgende Situation

 

Du bist etwa 4 Jahre alt und sollst das erste Mal in deinem Leben mit der Schere etwas aus Buntpapier ausschneiden.

Du schneidest krumm, deine kleinen Hände kommen mit der Schere noch nicht so gut klar. Deine Mutter (Erzieherin, Lehrerin, Tante, Vater, Onkel etc.) stöhnt ein bisschen entnervt „du bist so ungeschickt“.

 

 

Wom! Da hast du deinen Stempel! "Du bist so ungeschickt."

 

Eigentlich hätte sie genauso gut auch sagen können “naja, für das erste Mal geht das schon ganz gut“ schon oder „fein, wie du das machst. Das wird immer besser, wenn du übst“ usw. Aber du hast gesagt bekommen, du seiest ungeschickt. Damit ist dir ein Urteil, eine Bewertung zuteil geworden, die dir, wenn du Pech hast, im späteren Leben möglicherweise noch zu schaffen machen wird.

 

Wie solche Stempel wirken

 

Du hast diesen Satz gehört, vielleicht sogar öfter, und zusammen mit einem unangenehmen Gefühl abgespeichert. Du hast ganz genau gespürt, dass ungeschickt sein kein Lob ist. Der Satz sitzt ab jetzt in deinem Mindset, deinem Unbewussten, fest. Ab jetzt wirst du dir selbst immer wieder erzählen und es dir auch beweisen, dass du eben ungeschickt bist. So lange, bis es eine Tatsache ist. Nur, wenn du ganz viel Glück hast und gegenteilige gute Erfahrungen machen wirst, verliert diese Prägung an Kraft.

 

Im ungünstigen Fall hingegen fällt nun alles, was feinmotorisch ist, für dich schon mal weg. Goldschmiedin, Chirurgin oder Feinmechanikerin wirst du nun wohl nicht mehr werden. Dir werden wahrscheinlich immer wieder viele kleine Missgeschicke passieren wie Milch oder Kaffee verschütten, etwas fallen lassen, stolpern, sich stoßen, sich bekleckern, beim Einparken eine Beule holen.

 

Warum? Weil du deinen Stempel, dass du ungeschickt bist, längst verinnerlicht hast. Aus „du bist so ungeschickt“ ist längst ein „ich bin so ungeschickt“ geworden, das nicht mehr hinterfragt wird, sondern von dir als Tatsache akzeptiert wurde.

 

Wenn du jetzt nicht eine viel stärkere positive Erfahrung machst und ganz bewusst wahrnimmst, dass du gar nicht ungeschickt bist, wird das so bleiben.

Es muss nicht so bleiben

 

 Zum Glück bleibt nicht alles so hängen, was wir unseren ersten Kinderjahren über uns erzählt bekommen.

Vielleicht wird dir nun aber klar, wie Prägungen funktionieren. Spüre doch mal in dich rein, welche Überzeugungen hast du denn von dir? Bist du träge, linkisch, schnell erkältet, empfindlich, langsam, zappelig, unkonzentriert, dick, musikalisch begabt, faul, kannst nicht singen, malen oder basteln, bist eine Null in Sprachen lernen, Mathematik oder Sport?

 

Wenn du ganz tief in dich reinspürst, kannst du vielleicht sogar noch die Stimme hören, die dir das mal „aufgestempelt“ hat. Lass diese Glaubenssätze, deine falschen Stempel, wieder los. Du bist erwachsen und bestimmst selbst, wie du bist.

 

Und du kannst jetzt auch ganz neue Erfahrungen machen, auch ganz bewusst suchen. Sie werden neue Überzeugungen über dich, wie du bist, erzeugen. Denn du bist frei in deinen Entscheidungen wie du sein willst.


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