Ich habe keine Zeit!?

Geht es dir auch so?


Kommt dir das bekannt vor?

 

Es ist Samstag und dein Business ist heute geschlossen. Zeit also, das in Ruhe zu erledigen, was deine Konzentration und Kreativität braucht. Du willst vielleicht endlich deine Steuererklärung erledigen, deine monatliche Buchhaltung machen oder deinen wöchentlichen Newsletter schreiben.

Dafür möchtest du die ruhigen frühen Morgenstunden nutzen. Da bist du noch frisch und konzentriert. Deine Planung steht, du beginnst, aber dann…

 

Klingelt das Telefon, dein Kind, Freundin, Mutter o.ä. ist dran und du bist für eine halbe Stunde abgelenkt. Schließlich haben die nicht Selbständigen deiner Familie heute frei und freuen sich, dich zu erreichen. Durch das Telefonat bist du erstmal gedanklich raus und musst dich wieder neu ausrichten. Weiter geht’s.

 

Doch dann fällt dir auf, dass du deinen Tee in der Küche vergessen hast. Unterwegs sieht dich die Katze vorwurfsvoll an, weil sie heute noch nichts zu fressen bekommen hat. Also schnell das Schälchen füllen. Dabei fällt dein Blick auf eine Pfütze vorm Kühlschrank. Was ist da los? Oh, er taut ab. Das muss gleich geregelt werden.

 

Puhh, nun wieder zurück am Schreibtisch. Was wolltest du doch gleich? Also, wieder neu konzentrieren. Der Tee steht immer noch in der Küche und du hast Durst.

 

Wieder am Schreibtisch angekommen, diesmal mit Tee, fällt dir ein, dass die Wäsche, die du früh angeworfen hast, jetzt fertig sein müsste und aufgehängt werden sollte, denn jetzt scheint die Sonne draußen. Da trocknet es schnell und du kannst gleich die nächste Runde Wäsche starten.

 

Zurück an den Schreibtisch. Die/der PartnerIn ist inzwischen auch wach und möchte seinen Kaffee gemütlich mit dir trinken. Wieder ist eine halbe Stunde weg und dein anfänglicher Elan auch. Dein PartnerIn hat jetzt Zeit für einen gemeinsamen Wochenendeinkauf. Damit ist es für heute gelaufen, denn danach müssen die Einkäufe eingeräumt werden, Mittagessen gekocht und wieder aufgeräumt werden.

 

Am Nachmittag kommen Freunde zu Besuch, worauf du dich allerdings mit einem schlechten Gewissen freust, weil deine Arbeit dann wohl wieder in den ruhigen Nachtstunden auf dich wartet.

 Kannst du meinem Szenario folgen? Vielleicht nicht 1:1, aber ich bin sicher, du hast ähnliche Erfahrungen. Im Homeoffice zu arbeiten hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile.

 

LINK "Was dein Homeoffice mit deiner Energie zu tun hat

 

Zurück zum Arbeiten. Was kannst du machen, dass du dranbleibst und deine Arbeit entspannt, aber zielstrebig schaffst?



Umgebung informieren


 

Mach ein Schild an die Tür, dass du in 1,2,5, Stunden wieder „da“ bist.

Informiere deine/n PartnerIn, dass du vorher nicht „da“ bist. Bis dahin arbeitest du und willst nicht gestört werden. Tür zu, Telefone aus, Emailprogramm schließen.

 

Von der Krimischriftstellerin Agatha Christie ist bekannt, dass sie sich nach dem Frühstück in ihr Arbeitszimmer zurückzog und erst am Abend wieder herauskam. Hätte sie ihre Arbeit dauernd unterbrochen, gäbe es mit Sicherheit ihre Bücher nicht.

 

Vielleicht ist es auch eine gute Idee, sich zeitweilig eine andere Location zu suchen.

Gerade, wenn es eine kreative Arbeit werden soll und du Ruhe und Inspiration brauchst. Hast du ein schönes Café in der Nähe, einen Park oder eine öffentliche Bibliothek? Ich arbeite im Sommer sehr gerne ganz früh morgens im Garten. Das ist so lange richtig inspirierend, bis mein Nachbar mal wieder lautstark den Rasen schneidet…

 


Ziel setzen


Warum möchte ich das jetzt erledigen?

 

Die Zeit drängt vielleicht, es gibt einen Abgabetermin oder es sind meine eigenen Wünsche, was ich fertig haben will. Mir bewusst zu machen, dass ich nicht muss, sondern möchte, hilft ungemein dabei, sich zu motivieren.


In Zeiträumen arbeiten


 

Wenn du einfach so ungeplant loslegst, ist die Gefahr ganz groß, dass du dich ablenken lässt und in den Arbeiten hin und her springst.

Das sind die Tage, an denen man den ganzen Tag schwer beschäftigt war und trotzdem nichts wirklich zustande gebracht hat.

 

Hier hilft es, sich Zeiträume zu schaffen, die immer 50 Minuten lang sind.

 

Dabei konzentrierst du dich wirklich nur auf ein Thema oder ein Projekt.

Damit schafft man viel mehr, als wenn man immer mal hier und da an verschieden Projekten arbeitet. Stell dir einen Timer auf 50 Minuten ein. Wenn er klingelt, gehören die nächsten 10 Minuten dir für essen, trinken, sich strecken, Kommunikation. Dann wieder die nächste Zeiteinheit auf 50 Minuten einstellen.

 

Warum 50 Minuten? Die Neurobiologie weiß schon lange, dass wir in diesem Zeitraum am besten unsere Konzentration halten können. Danach geht die Konzentrationskurve steil bergab. Nicht von ungefähr sind Schulstunden 45 Minuten lang. Dann braucht unser Kopf eine kurze Pause.

 

Zeiträume sind auch sonst sinnvoll. Lege dir Arbeiten, die „Kleinkram“ sind, also nicht besonders kreativ aber wichtig, in Bündeln zusammen.

Also nicht jede Rechnung gleich ausdrucken, sondern alle Rechnungen am Ende des Tages auf einmal. Emails beantworten, Geldeingänge prüfen, ggf. Mahnungen rausschicken usw. bündeln und als Routine erarbeiten. Das macht den Kopf frei und verhindert, sich zu zerstreuen.

 

Ich habe festgestellt, dass ich besser in den Tag und meine Arbeit starte, wenn ich nicht mit dem Emailchecken beginne, sondern erst etwas anderes, bestenfalls etwas Anspruchsvolles, erledige. Fange ich dagegen mit den Emails an, zerstreut sich meine Aufmerksamkeit zu sehr, weil zu viele Impulse aufkommen, hier zu antworten, da etwas zu erledigen usw.

 

Wenn du mit deinen Kundinnen und Kunden viel telefonisch kommunizierst, lege dafür Zeiten fest, in denen du persönlich ans Telefon gehst und lass sonst den Anrufbeantworter seinen Job machen. Ich kenne eine Unternehmerin, die man telefonisch nie persönlich erreichen kann.

Sie hat beschlossen, dass sie das Telefonieren aus ihren Workflow reißt und sie sich deshalb lieber selbst, in ihren dafür bestimmten Zeiträumen, wenn es ihr gut passt, zurückmeldet. Dann ist sie entspannt und kann sich voll auf das Telefonat konzentrieren.

 

Das finde ich ziemlich clever.

 



Zeitmanagement?


Zeitmanagement, also die Zeit zu managen, ist eine schöne Illusion.

 

Selbst der „Zeitmanagementpabst“ Lothar Seiwert ist inzwischen davon abgekommen zu predigen, dass man die Zeit beliebig managen könnte. Kann man nicht. Zeit ist relativ und auch nur eine kollektive Vereinbarung von uns Menschen.

Es gibt als Zeit immer nur das JETZT.

 

Wie relativ Zeit ist, merkst du an den folgen Beispielen.

 

Vergleiche mal, wie sich die Zeit anfühlt, wie sie sich in die Länge zieht, wenn du auf etwas Schönes wartest, z.B. auf deinen nächsten Urlaub oder die Verabredung mit einem geliebten Menschen mit der Zeit beim Zahnarzt, wenn etwas "repariert" werden muss. Der Zeitraum, z.B. von 10 Minuten, kann sich wie ein Klacks anfühlen oder endlos lang erscheinen. Meine Zwillinge sind im Abstand von vier Minuten zur Welt gekommen. Ich hätte geschworen, dass mindestens eine Stunde dazwischen lag.

 

Zeit kann man also nicht wirklich managen. Wir können nur uns selbst managen und unseren sinnvollen Umgang mit ihr.

 

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