Bitte ein bisschen mehr Pippi,

oder wo sind unsere Träume eigentlich hin?

Foto Efraimstochter auf pixabay

Pippi oder Annika?

 

Manchmal frage ich meine KlientInnen, ob sie eigentlich eine Pippi (Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf oder eine Annika geworden sind und bekomme ich fast immer dieselbe Reaktion.

 

Natürlich wissen fast alle, wer Pippi und Annika sind. Sie sind die beiden Protagonistinnen sind aus Astrid Lindgreens Buch „Pippi Langstrumpf“, das sehr erfolgreich verfilmt wurde und ganze Generationen von Kindern begeistert hat.

 

Bei den Antworten meiner Klientinnen schwingt meisten so eine unterschwellige Traurigkeit mit, egal wie alt sie sind. Wie gerne wären wir doch alle wie Pippi geworden. So herrlich unangepasst, unbekümmert darüber, was man macht oder nicht macht, was andere meinen, wie man zu sein hat. So mutig regelbrechend.

Allem neugierig und furchtlos begegnend, ein bisschen verrückt sein aber dabei glücklich und immer vollkommen authentisch, frei von erdrückenden Regeln der Erwachsenen.

Die meisten Frauen wollten als Kinder so sein wie sie. Allerdings sah unsere Kindheit, und ich nehme mich da nicht aus, völlig anders aus. Wir mussten uns anpassen und von so viel Freiheit wie Pippi konnten wir nur träumen. Wir wurden alle mehr oder weniger wie Annika und ihr Freund Tom erzogen, zu braven, angepassten gehorsamen Kindern.

 


Was ist also aus dem Traum geworden, eine Pippi zu sein?


Ich kenne keine erwachsene Pippi Langstrumpf.

 

Alle sind wir Annika´s geworden, mehr oder weniger ausgeprägt. Brav, nett, angepasst, pflegeleicht, oft wenig selbstbewusst, manchmal ängstlich. Mitunter sogar mutlos und verzagt statt aufgeschlossen und neugierig. Natürlich gibt es Ausnahmen und Pippi ist nur eine Romanfigur. Es gibt toughe Frauen, die alleine die Welt zu Fuß umrunden, Fliegerinnen sind, Schulen in Afrika aufbauen, Ökofirmen gründen, einen Truck fahren, usw. Aber, das sind die Ausnahmen.

 

Wer von uns antwortet denn schon auf die Frage, z.B. beim Bewerbungsgespräch, ob wir das (etwas für uns ganz Neues) können, wie Pippi? Pippi sagt


„Ich habe das noch nie gemacht. Also denke ich, dass ich das kann.“


 

Wieviel Stärke und Selbstbewusstsein spricht aus diesem Satz!

 

Wir, als erwachsene Frauen würden sicherlich eher antworten, dass wir nicht sicher sind, ob wir das packen, weil wir das noch nie gemacht haben. Im besten Fall fügen wir wenigstens dazu, dass wir es versuchen wollen oder uns einarbeiten können.

Eine typische Annika Antwort eben.

 

Versteh mich nicht falsch. Es ist nichts Schlechtes an Annika. Aber kraftvoller ist auf jeden Fall die Energie von Pippi!

 

Was das Unangepasst angeht, sieht es für die meisten von uns auch eher schlecht aus.

 

Pippi hat sich keinen Deut darum geschert, wie sie aussah und das war schon reichlich abenteuerlich. Ihr war es egal, ob sie vielleicht zu dick oder zu dünn war, ob ihr essen vegetarisch oder vegan war, ob ihre Haare eine Frisur waren oder ob sie mit zu vielen Sommersprossen gesegnet war. Sie lief mit der Kleidung rum, die sie hatte und die ihr nach Lust und Laune in die Finger kann. Da konnte ein Strumpf schon mal rot und einer grün sein.

 

Na und?

 

Niemals wäre sie auf die Idee gekommen eine Diät zu machen oder irgendwelche Problemzonen zu bearbeiten, nur weil das irgendwer als Norm vorgibt. Sie hat immer nur ihr Ding gemacht und nicht, weil irgendetwas grade „angesagt“ war.

Die Romanfigur, die Astrid Lindgreen damit geschaffen hat und die so wunderbar in den Filmen umgesetzt wurde, ist so schön kraftvoll. Das macht ihren Zauber bis heute aus. Ich wünsche mir viel mehr unangepasste, mutige, neugierige, selbstbewusste, erwachsene Pippi´s.

 

Brave Annikas gibt es schon mehr als genug.

 

Jetzt ist es die Zeit, das kraftvolle Weibliche wieder mehr zu leben und zu stärken. Und, ich finde,  da darf es gerne eine gute Portion mehr von Pippis Selbstbewusstsein und Unbekümmertheit sein!