Richtig Urlaub machen?

Wie sieht es damit bei dir aus?



 

Wir haben Urlaubszeit und ich stelle mal wieder fest, dass es eine ganze Anzahl von Selbständigen unter meinen KlientInnen gibt, die entweder gar nicht oder nur ganz kurz, maximal eine Woche, in Urlaub wegfahren.

 

Hin und wieder höre ich, dass sie sogar schon mehrere Jahre keinen richtigen Urlaub mehr hatten. Was sind die Gründe?


die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen



 

Das könnte ein lukrativer Auftrag sein, der ausgerechnet in der Zeit reinkommt und dann durchrutscht oder neue Kundenanfragen, die man dringend braucht und worauf man dann leider nicht reagieren kann oder auch vielleicht Beschwerden, auf die sie schnell reagieren müssten.

Sie haben das Gefühl, dass sie ihr Business nicht aus den Augen lassen können.

 

Manchmal sind es allerdings auch handfeste finanzielle Gründe, die einfach nicht erlauben, sich völlig entspannt auszuklinken. Dazu kommt der vor- und nacharbeiten-Effekt. Vorm Urlaub ist der Arbeitsanfall meist richtig krass, weil alles rechtzeitig abgeschlossen und für die Zeit nach dem Urlaub vorbereitet sein muss, damit es möglichst nahtlos weitergehen kann. Das kann ziemlich stressen.

 

In der Urlaubszeit wird normalerweise kein Geld verdient, es gibt in der Regel keine Einnahmen.

 

Urlaubsgeld, wie bei den Angestellten, entfällt. Das gilt besonders für alle Dienstleistungen, die 1:1 arbeiten wie Coaching, Heilen, Beraten, Lehren. Deshalb muss das Fehlende, die Lücke, die entstehen wird, vorher reingearbeitet oder hinterher nachgearbeitet werden.

Das ist aber manchmal nicht so einfach, weil sich die Arbeitsstunden nicht beliebig steigern lassen und auch nicht automatisch mehr Aufträge oder Kundenanfragen kommen, bloß weil wir sie brauchen.

 

Vielleicht arbeiten deshalb inzwischen so viele TrainerInnen und Coaches daran, Onlineprodukte zu erstellen, die sich automatisch, ohne persönliche Präsenz, auch im Urlaub verkaufen können. Manchmal geht diese Rechnung auf, manchmal nicht, weil es ganz ohne Betreuung auch nicht immer geht.

Gut, wenn man jemanden hat, der sich in der Zwischenzeit um vielleicht auftretende technische Probleme kümmert.

 

Wenn zum Beispiel ein Onlineprogramm verkauft wurde und die Auslieferung irgendwie technisch hängt, ist schnelles Reagieren gefragt um den Käufer nicht zu verärgern und deshalb ist das Verkaufen im Schlaf meist auch nur ein schöner Mythos.

 



 

Der Berg der anliegenden Aufgaben, der nach dem Urlaub regelmäßig ansteht, kann ohne richtige kluge Vorbereitung die schöne Erholung ganz schnell wieder crashen.

 

Manchmal stellt man fest, dass es ein ziemlich zäher Angang sein kann, bis alles wieder so richtig rund läuft. Du bist selbst vielleicht innerlich noch nicht wieder so richtig im Arbeitsmodus und auch manche anderen Gründe sorgen dafür, dass es schleppend anläuft.

 

Es kann auch sein, KundInnen melden sich nicht, weil sie gelesen haben, dass du Urlaub hast. Leider haben sie sich nicht gemerkt, wann er vorbei ist oder sie sind eben selbst im Urlaub. Oder, es ist andersherum sodass es dich schier erschlägt, was sich angesammelt hat.

 


das verärgert meine Kunden


 

Manchmal haben Soloselbständige regelrecht Angst davor, mal nicht erreichbar zu sein. Sie befürchten, dass das die Kunden verärgert. Die Befürchtung ist, dass die dann weg sind, vielleicht zur Konkurrenz gehen, nicht wiederkommen. Nicht ganz unberechtigt.

 

Meistens ist das allerdings ein Szenario, das sich nur in unserem Kopf abspielt.

 

Wenn deine Kunden diese Gelegenheit zum Wechseln nutzen, waren sie auch nicht die richtigen Kunden oder du nicht die richtige DienstleisterIn für sie. Sind deine Kunden jedoch von deiner Arbeit überzeugt und begeistert, warten sie auch geduldig bis nach dem Urlaub auf dich. Sie wissen es zu schätzen, dass du dafür sorgst, dass du erholt bist weil sie wissen, dass du dann wieder mit voller Kraft für sie da sein kannst.

 


Im Sommerloch ist es sowieso schwierig



 

Das ist ein kollektiver Glaubenssatz, der sich hartnäckig hält. Er ist für dich wahr, wenn du ihn glaubst.

 

Es gibt durchaus Selbständige, zu denen gehöre ich auch, bei denen die Sommerzeit zu den umsatzstärksten Monaten zählt. Wenn du also meinst, der Sommer ist schlecht für dein Business, wäre es an der Zeit, daran zu arbeiten, diese Überzeugung loszulassen. Natürlich kann es schon sein, dass manches länger dauert oder deine Stammkunden auch im Urlaub sind. Dafür haben andere die Chance, sich zu melden.

 

Außerdem sind die Sommermonate auch für dich eine gute Zeit, dich selbst fortzubilden, Workshops zu besuchen, endlich mal alle Bücher zu lesen, die sich ungelesen stapeln und insgesamt immer mehr zu entschleunigen.

 


Warum dein Urlaub trotzdem wichtig ist


Von nichts kommt nichts.

 

Dieser Glaubenssatz wird oft benutzt um auszudrücken, dass wir uns halt drehen müssen, wenn wir erfolgreich sein wollen. Ich finde aber, auf Urlaub und Erholung angewendet, stimmt er auch. Wenn wir nicht akribisch darauf achten, uns regelmäßig ausreichend Erholung zu gönnen und auch richtig Urlaub zu machen, sind irgendwann die Batterien leer. Nichts geht mehr. Davon hat niemand etwas.

 

Selbständigkeit ist anspruchsvoll und kostet Kraft. Kreativität braucht Auszeit!

 

Den Kopf frei zu bekommen, damit wieder Neues entstehen kann, ist extrem wichtig. So manche Selbständige. die die Signale ihres erschöpften Körpers nicht hören wollte, hat das später mit Totalausfall und langen Krankheitsphasen bezahlt. Niemand, außer uns selbst, ist zuständig dafür zu sorgen, dass die Batterien rechtzeitig immer wieder aufgefüllt werden.

 


Arbeiten im UrlauB?


Viele nehmen ihre Arbeit mit in den Urlaub.

 

Der Laptop, das Internet, das Handy machen das möglich. Aber ist das dann Erholung? Kann man dabei wirklich abschalten? Die ganz Konsequenten tun das. Kein Handy, kein PC, kein Internet. Nur Natur und Erholung. Allerdings peitscht sie auch nicht die Angst, sie könnten etwas Wichtiges versäumen oder übersehen.

 

Ich bin da ganz pragmatisch.

 

Der Laptop muss mit und alle zwei Tage checke ich abends die Emails darauf, ob es etwas gibt, worum ich mich wirklich zeitnah kümmern müsste. Alles andere wird nur überflogen, aber nicht bearbeitet. Damit komme ich ganz gut klar. Wenn mich die Muse küsst, und das tut sie gelegentlich im Urlaub weil ich da entspannt bin, dann setze ich mich auch schon mal ran und tippe es in den PC. Feinausarbeitung folgt erst zuhause.

 

Wenn du dir eine Assistentin leisten kannst, solltest du deine Urlaubszeit wirklich ohne Arbeit und Kundenkontakt gestalten. Umso größer ist der Erholungseffekt. Die Forschung sagt schon lange, dass der Erholungseffekt sowieso erst nach der ersten Woche beginnt. Ideal ist daher ein Urlaub von mindestens zwei, besser drei oder mehr Wochen.

 

Vielleicht findest du eine Möglichkeit, wie du das einrichten kannst. Es könnte der Booster für dein Business sein.

 



Text und Fotos Barbara Steldinger 2018