Was du tun kannst, wenn es dir mal wieder auch so geht

schöner scheitern als coach


Dieser Text schildert eine Situation, die zwar jetzt bei mir nicht so ist , sich aber schon einmal genauso zugetragen hat und bei vielen Soloselbständigen in ähnlicher Form läuft.

 


es ist wie es ist


 

Also gut. Ich gebe es zu, ich habe eine Krise.

 

Oder hat die Krise mich? Jedenfalls stecke ich so richtig fest. Das Business läuft nicht. Die Kunden bleiben einfach weg, der Umsatz ist nicht nennenswert. Die alten Kunden melden sich nicht und neue kommen auch keine dazu.

 

Zuerst habe ich gedacht, naja, das kommt vor. Wird schon wieder.

Mit ups und downs habe ich leben gelernt, ganz normal. Aber jetzt zieht sich das schon über Monate hin und langsam wird es eng mit den Finanzen. Wie die meisten selbständigen Frauen, habe auch ich kein dickes Polster, auf dem ich mich ausruhen könnte. Ich kann also nicht einfach mal schauen, was das wird. Mir sitzt die blanke Existenzangst im Nacken.

 

Nun kann man sagen, dass das sehr vielen Selbständigen so geht.

Das ist richtig, aber bei mir hat das noch eine ganz andere Brisanz. Denn mein Fachgebiet ist es, anderen Selbständigen in genau dieser Situation zu helfen. Sie dort raus zu führen, ihre Blockaden energetisch aufzulösen, ihnen Mut zu machen, sie verlässlich zu begleiten. Und das kann ich wirklich sehr gut. Vielen habe ich damit schon geholfen.

 

Nur bei mir selbst, da versage ich leider kläglich.

 


innenschau? innenschau!


 

Eigentlich müssten sie mir die Bude einrennen. Ich müsste Wartelisten bis Weihnachten haben, weil meine Arbeit so wirkungsvoll ist. Die Feedbacks sind super. Aber scheinbar bin ich jetzt mal wieder unsichtbar.

 

Ich hänge komplett und richtig fest.

Und kaum läuft es ein wenig wieder an, bekomme ich diesen, wirklich fiesen, Infekt, der mich völlig außer Gefecht gesetzt hat. Na, prima. Weiterhin keine Einnahmen. Ich übe mich in Gelassenheit. Die Situation annehmen, ist der erste Schritt. Er fällt mir sehr schwer.

 

Dabei habe ich im letzten Jahr so viel Neues gemacht.

Videos gedreht,  Webseiten überarbeitet, Webinare gehalten, neue Programme produziert. So lange es kostenfrei ist, finden es alle toll. Die Kaufangebote werden dagegen ignoriert. Was stimmt da in meinem Innen nicht? Finde ich selbst unbewusst meine Arbeit nicht wirklich wertvoll? Selbstzweifel begleiten mich ja sowieso immer.

 

Aber können die so dermaßen ausbremsen, dass gar nichts mehr geht?

 

Die beste Freundin von allen, selbst energetisch arbeitend, erzählt mir was von "Zeit für Innenschau". Ja, was mache ich denn dauernd? Im Außen finde ich mich schon lange nicht mehr so angestrengt im Rennen wie früher. Und im Innen gründele ich natürlich auch herum, aber fische bislang dazu sehr im Trüben. Was läuft bloß so falsch? Innenschau und energetisch auflösen, was quer liegt. Das erzähle ich meinen Kundeninnen und denen hilft das auch.

 

Mir selbst grade nicht.

 

Meine Freundin beharrt auf ihrer Meinung, dass es im Innen geklärt werden muss.

Ich drohe ihr die Kündigung an, was sie gelassen hinnimmt. Sie hat diesen Druck nicht wie ich, denn sie verdient ihr Geld als Angestellte. Was sie als Coach einnimmt, ist das Zubrot. Aber ich lebe nur von meinem Business! Und im Moment eher gar nicht. Ich meine finanziell.

 

Habe ich mich doch falsch einsortiert? Ist meine Ausrichtung von Außen nicht zu erkennen? Da sind sie mal wieder, die nervigen Zweifel!

 

Meine Leserinnen mögen meine Newsletter.

Die Themen der kostenlosen Webinare kommen gut an. Trotzdem läuft es nicht mit den Kaufangeboten. Gratisangebote ja. Aber nichts, was Geld kostet. Ich selbst habe so viel Geld in mich und meine Fortbildungen investiert. Daran kann es nicht liegen.

 

Früher habe ich wenigstens ab und zu ein Paket verkauft. Jetzt kommen nicht mal Einzelstunden zustande. Es ist zum Haare raufen. Ich blick es einfach nicht.

 


vergleichen bringt nur frust


 

 Natürlich habe ich, wie die meisten Selbständigen, manchmal so die Nase voll und könnte dann alles hinschmeißen. Der Witz ist, dass das überhaupt nicht geht. Was will ich denn dann machen? Arbeitslosengeld gibt es keins und ist keine Option, will ich auch nicht. Zu alt für jegliche Art von Festanstellung, außerdem ist das für mich eine Horrorvorstellung. Nicht genug Reserven, um einfach blau zu machen. Hinschmeißen fällt also schon mal aus.

 

Also übe ich mich weiter im "Schöner scheitern".

Ist Scheitern schlimm? Und, wann ist man gescheitert? Wenn es, wie bei mir, so vor sich hindümpelt? Und nun?

Links und rechts sehe ich lauter Coaches, die sich auf FB darüber austauschen, wie sie dieses Jahr die 100.000 UmsatzMarke knacken, siebenstellig anpeilen und ich freue mich jetzt schon, wenn ich wenigstens kein Minus produziere. Das ist so megafrustig.

 

Meine innere Stimme ist auch nicht wirklich eine Hilfe, weil sie wahrscheinlich auf den Malediven Urlaub macht und Cocktails schlürft. Jedenfalls höre ich sie nicht.

 

Der Markt der Coaches, Berater und Trainer ist groß und wird heiß umkämpft. Es tummeln sich dort immer mehr Blender.

 

Die meisten fokussieren auf andere Coaches, Trainer, Berater. Warum?

 

Weil diese Zielgruppe es gewohnt bist, in sich zu investieren. Das muss anderen Zielgruppen erst noch nahe gebracht werden. Trotzdem erschöpft sich natürlich auch dieser Markt irgendwann. Jedes Jahr werden von den zahlreichen Ausbildungsinstituten wieder sehr viele neue, ambitionierte, Coaches auf den Markt gespuckt. Und alle wollen Geld verdienen.

 

Gibt es also zu viele von uns? Und haben wir „alten“ dann noch eine Chance?


coachen kann doch jeder, oder?


 

Wir haben zumindest den Neuen viel Erfahrung voraus.

 

Außerdem bekommen die neuen Coaches in der Regel keine Ausbildung darin, kaufmännisch zu denken und Marketing zu machen. Das lernen sie erst. Dafür gibt es ja dann uns alten Coaches.

 

Ich denke, dass wir eigentlich sehr viele Coaches brauchen, weil die Zeiten immer anspruchsvoller werden und viele Menschen die Orientierung verlieren. Allerdings ist nicht jeder wirklich für diesen Beruf geeignet.

Nur, weil ich der Freundin gut zuhören und tolle Tipps gebe, bin ich noch lange kein Coach. Viele habe ein sehr verklärtes Bild von diesem Beruf. Bisschen zuhören und dafür Geld bekommen, das kann doch jeder. Dazu kommt, dass wie bei den Heilpraktikern auch, sich die eigenen Themen oft massiv zeigen und der Coach/Trainer/Therapeutin da erst mal durch die eigenen Prozesse durch, und bei sich selbst, aufräumen, darf.

 

Das muss man einfach wissen.

 


hilf dir doch selber!


 

Oft bekommt man dann zu hören, hey, du bist doch Coach oder Therapeutin, Beraterin. Kannst du dir nicht selber helfen? Du weißt doch, wie es geht.

 

Nein, kann ich nicht. Jedenfalls nicht immer. Es ist wie bei den Ärzten. Ein Internist operiert sich auch seinen Blinddarm nicht selbst raus, ein Zahnarzt zieht sich nicht selbst seine Zähne. Alle brauchen sie dafür den Kollegen von außen.

 

In Krisen wie meiner, ist das so ähnlich. Es gibt zu viele blinde Flecken, die ich selbst nicht sehen kann, aber Andere schon.

 

Natürlich ist es irgendwie grottenpeinlich, selbst so durch zuhängen.

 

Niemand möchte seinen Kunden erzählen, dass er es selbst nicht gebacken bekommt. Die Glaubwürdigkeit leidet darunter, denken wir. Schließlich sucht man sich doch Unterstützung bei jemandem, der schon erfolgreich ist. Der offensichtlich weiß, wie es geht. Tja, liebe Leute, so ist das aber nicht. Mancher Heiler ist großartig in seiner Arbeit, aber selbst todkrank. Mancher Coach kann allen super helfen, nur sich selbst nicht. Ein Geldcoach kann durchaus für Andere erfolgreich und dabei selbst pleite sein. Da spielen ganz viele Faktoren eine Rolle.

 

Und nur, wer selbst durch die Hölle gegangen ist, kann Andere verstehen, die gerade drinstehen.


mit eleganz scheitern


 

Wichtig ist es, sich das einzugestehen, dass es sich nach scheitern anfühlt.

 

Die Situation annehmen, aufstehen.

 

Staub abklopfen und weitergehen. Krone richten fällt bei mir aus. Ich habe keine. Scheitern bedeutet nicht den endgültigen Untergang. Es bedeutet nur, dass es so eben nicht funktioniert. Ist also ein Aufruf zum Überdenken. Neu, anders machen. In Amerika ist übrigens Scheitern ganz anders als in Deutschland gewichtet. Da steigt man vom toten Pferd ab, „so what“ und macht das Nächste. Hier ist das immer so wahnsinnig dramatisch.

 

Also, werde ich jetzt einfach weitermachen.

 

Schauen, wo ich etwas verändern kann. In meinem Innen nach Blockaden fahnden und die beste aller Freundinnen um eine Sitzung bitten.

Es fällt mir sehr schwer, nicht wieder in den Aktionismus im Außen zu fallen, sondern mich in den Moment hinein zu entspannen. Dass mein Infekt mich so geschwächt hat, macht das allerdings diesmal leichter. Ich kann gar nicht so wie ich will. Und wahrscheinlich ist das mal wieder eine Lernaufgabe für mich.

 

Ok, danke, Universum 😊, verstanden!

 

Hast du vielleicht Parallelen erkannt? ich bin seit 23 Jahren selbständig. Mir ging es schon mehrmals so oder so ähnlich und jedes Mal habe ich viel dabei gelernt und bin daran gewachsen.

 

Was machst du in diesen Situationen?

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Uwe Kampa (Sonntag, 06 Oktober 2019 09:39)

    Ja, viele mir gut bekannte Passagen ... bei mir kommen noch "private" Umstände dazu.
    Ich danke Dir für Deine Offenheit und Unterstützung bei meiner ´Reflexionsarbeit´.
    Lieben Gruß, Uwe