Es kann dich eiskalt erwischen...


Warum es dich als Trainerin, Yogalehrerin oder  Coach eiskalt erwischen kann


 

Viele meiner Kundinnen machen sich über diese Institution keine Gedanken.

 

Sie meinen, es ginge sie nichts an. Schließlich sind sie ja selbständig und die Behörde interessiert sie deshalb nicht.

 

Aber, weit gefehlt.

 

Die Deutsche Rentenversicherung hat vor ein paar Jahren, als die Kassen bedrohlich leer wurden, ein Gesetz aus den Anfängen de 20. Jahrhunderts einfach wiederbelebt.

 

Das Gesetz besagt, dass bestimmte Berufsgruppen besonders“ schützenswert“ seien, weil sie im Alter angeblich nicht für sich sorgen könnten. Dazu gehören alle, im weitesten Sinne, lehrenden Berufe. Mit schützenswert meint man, dass man ihnen schon vorm Alter das Leben und die berufliche Existenz schwer macht, indem man sie rentenversicherungspflichtig macht obwohl sie (mit vollem Risiko) selbständig sind. Ich finde das ziemlich absurd, nützt aber nichts. Hier hilft nur Information.

 

Die Behörde legt die Berufsgruppen, die das betrifft, recht großzügig und nach Windrichtung aus. Auch Yogalehrer, Reitlehrer, Nachhilfelehrer,  etc. sind betroffen. So kann es passieren, dass du plötzlich nach ihrer Ansicht rentenversicherungspflichtig bist und dir eine saftige Nachzahlungsaufforderung in der Größenordnung vom mehreren Tausend Euro ins Haus flattert.

 

Was tun? Keine Panik!

 

Zum Glück gibt es Menschen, wie die Rechtsanwältin Sabine Gewehr, die sich mit der Behörde anlegt und schon so manche Kollegin rausgeboxt hat. Ich habe sie gebeten, mir die wichtigsten Informationen einmal in einen Text zusammen zuschreiben.

 

Und, hier ist er nun. Ich rate dir dringend, ihn zu lesen. Du kannst nie wissen, was kommt.

 


Keine Panik, wenn Du Post von der Rentenversicherung erhältst


 

 

Überblick von RA Sabine Gewehr zu Selbstständigkeit und Rentenversicherungspflicht

 

Viele Selbstständige haben von dem Thema noch nichts gehört oder sie verdrängen das finanzielle Risiko der Rentenversicherungspflicht und sind geschockt, wenn sie plötzlich ein Schreiben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) im Briefkasten haben.

 

Tatsächlich gibt es einen Katalog mit Tätigkeiten, deren Ausübung Soloselbständige ohne Mitarbeiter rentenversicherungspflichtig macht. Unabhängig von der Tätigkeit ist ein Selbständiger ohne eigene Mitarbeiter immer rentenversicherungspflichtig, wenn er auf Dauer aus der Zusammenarbeit mit einem Auftraggeber 5/6 seines Gesamtgewinns erzielen.

 

Tipp:

 

Zur Beendigung der Rentenversicherungspflicht kannst du einen Mitarbeiter einstellen, der monatlich mehr als 450,00 € verdient. Es reicht aus, zwei Minijobber zu beschäftigen, die jeden Monat insgesamt mehr als 450,00 € verdienen.

 

Im Folgenden geht es ausschließlich um die Rentenversicherungspflicht. Für die gesetzliche Kranken-/ Pflegeversicherung gelten andere Bestimmungen.

 

Die Frage aller Fragen: Bin ich wirklich betroffen?

 

Ein Beruf aus dem Katalog in § 2 SGB VI ist der Lehrer. Die DRV qualifiziert oft auch Coaches und Selbständige in der Weiterbildung als Lehrer und es kommt zur Rentenversicherungspflicht.

 

Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein Coach auch ein Lehrer oder aber ein Berater und damit nicht rentenversicherungspflichtig ist.

 

In Abgrenzung zur Beratung ist jemand der abstrakt Wissen vermittelt Lehrer. Es kommt nicht auf eine besondere Ausbildung an. Lehrer ist beispielsweise, wer in einer Volkshochschule einen Kurs zum Thema Kommunikation durchführt.

 

Ein Berater dagegen wird beauftragt, um ein Problem des Klienten zu lösen. Dabei vermittelt der Berater auch Wissen, jedoch nicht abstrakt, sondern immer in Bezug auf seinen Auftrag.

 

Im Sinne dieser Abgrenzung zwischen Lehre und Beratung kann man sagen, dass ein Coach beauftragt wird, um Probleme seiner Klienten zu lösen. Klienten können Privatpersonen oder Unternehmen sein. Damit ist der Coach ein Berater und nicht rentenversicherungs-pflichtig.

 

Wenn ich rentenversicherungspflichtig bin, wie teuer wird das?

 

Grundsätzlich haben Selbständige den Regelbeitrag zu bezahlen. Dieser Regelbeitrag basiert auf der sogenannten Bezugsgröße. Dabei handelt es sich um eine Art fiktiven Gewinn, den der Gesetzgeber jedem Selbstständigen unterstellt. Die Bezugsgröße verändert sich jedes Jahr und damit auch der Regelbeitrag. Wenn dein Gewinn höher als die jährliche Bezugsgröße ist, musst du nicht von deinem tatsächlichen Gewinn Beiträge bezahlen, sondern nur von der geringeren Bezugsgröße. Wer den Regelbeitrag bezahlt, muss sein Einkommen nicht nachweisen.

 

Existenzgründer können in den ersten 3 Jahren den halben Regelbeitrag bezahlen.

 

Dann gibt es die Möglichkeit, einkommensabhängige Beiträge zu bezahlen. Das ist dann sinnvoll, wenn der eigene Gewinn unterhalb der jährlichen Bezugsgröße liegt und der Regelbeitrag insoweit unangemessen hoch ist. Das Einkommen ist durch regelmäßige Vorlage der jeweils aktuellen Einkommensteuerbescheide nachzuweisen

Was bedeutet das konkret?

 

Berechnungsbeispiel:

 

Heike ist seit 2012 als Unternehmensberaterin selbstständig. Sie hat in jedem Jahr mehr als die Bezugsgröße verdient. Jetzt im Oktober 2019 stellt die DRV fest, dass sie rentenversicherungspflichtig ist und fordert ab dem Jahr 2015 Beiträge nach. Für 2019 wird der monatliche Beitrag auf den aktuellen Regelbeitrag in Höhe von 579,39 € festgesetzt.

 

Es ergibt sich für Heike eine (sofort fällige) Gesamtnachzahlung von 32.143,00 €.

 

Verjährungsfrist

 

Bei der Nachforderung von Beiträgen für die Vergangenheit hat die DRV die Verjährungsfrist von 4 Jahren zu berücksichtigen.

 

Jetzt in 2019 können Beiträge nachträglich ab dem 01.01.2015 gefordert werden. Das Jahr 2015 verjährt am 31.12.2019 und ab Januar 2020 können für das Jahr 2015 keine Beiträge nachträglich mehr angefordert werden.

 

Soll ich mich selbst melden oder in Deckung bleiben?

 

Praxistipp:

 

Wenn Du dich melden möchtest, rate ich dir von einem Beratungstermin in einem Servicecenter der DRV ab. Hintergrund ist, dass du nicht weißt, welche für dich nachteiligen Notizen sich dein Ansprechpartner aus dem Gespräch macht und wie diese Notizen die weitere Prüfung innerhalb der Behörde beeinflussen.

 

 

Beispiel aus meiner Praxis:

 

Eine Unternehmensberaterin wandte sich an einer Beratungsstelle der DRV. Wir wissen nicht wie es dazu kam, aber die Sachbearbeiterin notierte sich als Beruf der Mandantin“ Coach“. In der Folge wurde die Mandantin versicherungspflichtig gemacht. Sie klagte und das Sozialgericht urteilte, dass sie nicht rentenversicherungspflichtig ist und keine Beitragsnachzahlungen von 38.528,00 € leisten musste.

 

Schauen wir uns die beiden Optionen an:

 

Vorteile, wenn du dich meldest:

 

· Du bestimmst den Zeitpunkt zu dem du dich meldest.

 

· Möglicherweise meldest du dich erst im nächsten Jahr bei der Rentenversicherung und lässt das Jahr 2015 am 31.12.2019 verjähren.

 

· Du hast es in der Hand und gibst der Rentenversicherung genau die Information, die du geben möchtest.

 

· Wenn die Behörde feststellt, dass du nicht rentenversicherungspflichtig bist, gibt dir dieser Bescheid nach heutigem Kenntnisstand einen Schutz vor einer Einbeziehung in die gesetzliche Rentenversicherung durch die Politik.

 

· Du verschaffst dir finanzielle Sicherheit.

 

 

Nachteil bei eigener Meldung

 

Du bekommst eine Entscheidung der Rentenversicherung, die dir vielleicht nicht passt.

 

Nichtstun

 

Wenn du in der Deckung bleibst, kann es sein, dass du in der Zukunft von der Behörde gefunden wirst. Dann bist du im Zugzwang und im Krisenmanagement. Einige Gestaltungsmöglichkeiten sind dann vielleicht nicht mehr nutzbar. Und wie das Leben so spielt, kommt die Post von der Behörde sicher im denkbar ungünstigsten Moment.

 

Ich will aktiv werden. Was muss ich tun?

 

Die Schritte sind:

 

· Du füllst das Formular V020 aus. Das Formular erhältst du im Internet auf der Webseite der DRV.

 

· Wichtig ist eine Beschreibung wie du konkret mit deinen Klienten arbeitest. Ohne Tätigkeitsbeschreibung ist es für die Behörde schwer bis unmöglich zu entscheiden, ob du als Coach tatsächlich beratend tätig bist. Eine gute Tätigkeitsbeschreibung ist also in deinem Interesse.

 

· Hältst du auch Vorträge oder Seminare für Akquise Zwecke zu geringem Honorar?

 

Wenn du mehrere Standbeine in deinem Business hast solltest du dies im Formular

deutlich machen.

 

 

Praxistipp:

 

Bitte rechne damit, dass sich die DRV deine Internetseite anschaut.

 

· Das ausgefüllte Formular schickst du an die für dich zuständige Rentenversicherung. Welche das ist, kannst du auf den jährlichen Informationsschreiben zur Rentenhöhe erkennen.

 

· Es kann sein, dass die Behörde im Verlaufe der Prüfung Fragen hat und dich anschreibt.

 

 

Praxistipp:

 

Wichtig ist, dass du mit dem Formular oder auch bei der Beantwortung von Fragen nicht zu viele Informationen ungefragt gibst. Ohne besondere Aufforderung solltest du niemals deine Rechnungen für ein oder mehrere Jahre an die Behörde schicken.

 

 

· Am Ende des Prüfungsverfahrens erlässt die DRV einen Bescheid, der entweder die Versicherungsfreiheit oder die Versicherungspflicht feststellt.

 

 

· Gegen diesen Bescheid kannst du bei der Behörde Widerspruch erheben. Das Widerspruchsverfahren endet mit dem Widerspruchsbescheid.

 

· Dagegen kannst du vor dem Sozialgericht klagen.

 

Praxistipp:

 

Falls du mit dem Bescheid aufgefordert wirst, eine Zahlung sofort zu leisten, musst du zusammen mit dem Widerspruch auch die Aussetzung der Vollziehung beantragen. Ansonsten sind festgesetzte Beiträge sofort fällig und zu bezahlen.

 

Die 3 Risiken gefunden zu werden

 

· Lücke im Versicherungsverlauf

 

Wenn du nach vielen Berufsjahren im Angestelltenverhältnis nun selbständig bist, entsteht in dem Versicherungsverlauf eine Lücke, weil keine Rentenversicherungsbeiträge mehr einbezahlt werden. In regelmäßigen Abständen prüft die DRV Versicherungsverläufe und wenn Zeiten ungeklärt sind, wird eine entsprechende Mitteilung verschickt.

 

 

· Betriebsprüfung beim Auftraggeber

 

Bei einem deiner Auftraggeber gibt es eine routinemäßige sozialversicherungsrechtliche Betriebsprüfung und der Prüfer hat sich mit den Honorarkräften/freien Mitarbeitern beschäftigt. Dem Betriebsprüfer geht es zunächst um die Frage, ob der freie Mitarbeiter nur zum Schein selbstständig ist (Stichwort Scheinselbstständigkeit).

 

 

Lautet das Ergebnis, dass du als selbständige Unternehmerin für den Auftraggeber tätig bist, folgt eine 2. Prüfung. Der Betriebsprüfer gibt Informationen, die er gefunden hat an die entsprechende Stelle der DRV weiter und dort wird dann geprüft, ob du rentenver-sicherungspflichtig bist.

 

· Versorgungsausgleich bei Ehescheidung

 

Wenn in einem Ehescheidungsverfahren der Versorgungsausgleich durchgeführt wird, erhältst du in diesem Zusammenhang Formulare von der DRV. Die Angabe, dass du selbstständig bist, kann das Prüfungsverfahren auslösen.

 

Achtung Stolperfallen

 

· freiwillige Beitragszahlung

 

Die freiwillige Beitragszahlung kann durchaus sinnvoll sein und viele Selbständige sind dazu auch durchaus bereit. Eine freiwillige Rentenversicherung ist jedoch nur möglich, wenn keine Rentenversicherungspflicht besteht. Wenn du also einen Antrag auf freiwillige Versicherung stellst, startet das Prüfungsverfahren der Behörde. An dessen Ende kann dann die Versicherungspflicht stehen, die du nicht haben willst.

 

· Künstlersozialkasse

 

Zum gleichen Ergebnis, nämlich einer ungewollte Prüfung der Rentenversicherungspflicht, kommt es auch, wenn du bei der Künstlersozialkasse einen Antrag auf Aufnahme stellst. In diese Falle tappen viele, die Yogakurse anbieten.

 

Wenn die Künstlersozialkasse einen Antrag ablehnt gibt sie automatisch die Unterlagen an die DRV weiter. Diese prüft dann von Amts wegen, ob eine Rentenversicherungspflicht vorliegt. Yoga Lehrer sind rentenversicherungspflichtig.

 

Ich habe Post! Was kann ich jetzt tun?

 

Wenn Du Post von der DRV in deinem Briefkasten hast, atme tief durch. Wahrscheinlich denkst du sofort: Was bedeutet das für mich? Wer kann mir helfen? Was muss ich bezahlen?

 

Keine Panik, es ist nichts verloren!

 

· Du hast ausreichend Zeit dir (anwaltliche) Hilfe zu holen und deine Strategie für den Kontakt mit der Behörde festzulegen.

 

· Erst dann beantwortest du die Fragen der DRV.

 

· Du kannst immer eine Fristverlängerung für deine Antwort beantragen und diese wird in der Regel auch genehmigt.

 

Wenn sich die Rentenversicherung meldet, schickt sie dir das Formular V020 zu.

 

Der Ablauf ist genauso wie bei einer freiwilligen Meldung. Der Unterschied ist, dass die Behörde bereits über Informationen verfügt und deshalb von Amts wegen diese Prüfung durchführt.

 

Es geht jetzt konkret um die Fragen:

 

· ob überhaupt und wenn ja, in welcher Höhe du Beiträge zahlen musst.

 

· Es geht um Beiträge für die Vergangenheit (Verjährungsfrist 4 Jahre) und laufende monatliche Beiträge.

 

 

Jetzt kommt es darauf an, deine Tätigkeit mit den Klienten so konkret zu beschreiben, dass die Behörde versteht, dass du nicht abstrakt Wissen vermittelst, sondern die Probleme deiner Klienten löst.

 

Ausblick

 

Ganz wichtig ist es auch, dein persönliches Ziel zu ermitteln!

 

Möglicherweise ist es für dich sogar sinnvoll, Pflichtbeiträge zu bezahlen, weil diese für die Altersrente, für den Hinterbliebenenschutz und für sämtliche Reha-Maßnahmen der DRV zählen.

 


über die autorin


 Rechtsanwältin Sabine Gewehr ist auf Sozialversicherungsrecht für Selbständige spezialisiert.

 

Sie berät Selbständige zum Thema Rentenversicherungspflicht präventiv und übernimmt das Krisenmanagement, wenn sich die DRV meldet.

 Als Rechtsanwälte vertritt sie ausschließlich die Interessen ihrer Mandanten und unterliegt der Schweigepflicht.

 

Kontakt: www.sg-freiberuflerrecht.de

 

Rechtsanwältin Sabine Gewehr bietet ein kostenloses Kennenlerngespräch ein.

 

 


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