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Minijetlag auf Bestellung?


was uns die Zeitumstellung bringt


 

Vielleicht hast du das noch nicht so auf dem Schirm, aber am Wochenende wird uns wieder eine Stunde gestohlen. Die Rede ist von der falschen Zeit, die manche immer noch "Sommer-Zeit" nennen obwohl das mit der Jahreszeit Sommer nichts zu tun hat, sondern pure Willkür ist. Viele Menschen sind schon lange frustriert über diese Umstellerei - und das zurecht. Aber warum eigentlich?

 

Die Steigerung dieses Themas ist die fragwürdige Bemühung, diese „Sommer-uhr-zeit“ zur ständig geltenden Zeit zu machen. Ich komme noch gleich dazu.


Die willkürliche Umstellung der Zeit und ihre Folgen


 

Durch die Zeitumstellung werden wir gezwungen, eine Stunde früher aufzuwachen. Wer sowieso sehr früh raus muss, ist besonders betroffen. Weil der Schlaf eine so herausragende Bedeutung für unser aller Leben hat, kann ein Mangel daran schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Kurzfristig bewirkt er, dass wir tagsüber übermüdet, gereizt und aggressiv sind, dass wir uns schlechter konzentrieren und weniger schnell auf äußere Faktoren reagieren können als gewöhnlich. Diese Erfahrung hat wohl Jeder von uns in stressigen Zeiten schon gemacht.

 

Die Summe aller negativen Auswirkungen ist jedoch viel größer

 

Symptome auf der körperlichen Ebene:

 

Selbst bei jungen Testpersonen, die eine Woche lang mit nur vier Stunden Schlaf pro Tag auskommen mussten, hinterließ die Schlafverkürzung bereits folgende deutliche Folgen: Der Kohlenhydratstoffwechsel verschlechterte sich, die Blutzuckerwerte (Glukose) waren erhöht, die Produktion der Schilddrüsenhormone geriet durcheinander, und abends wurden hohe Werte des Stresshormons Cortisol im Blut gemessen, die der Körper normalerweise erst in den frühen Morgenstunden ausschüttet.

 

Diese Veränderungen ähneln denen, die im Frühstadium der Zuckerkrankheit und häufig auch bei alten Menschen auftreten. Bei vorübergehendem Schlafmangel bilden sich diese Stoffwechselentgleisungen zwar wieder zurück, wer jedoch ständig zu wenig schläft, muss diesen Mangel teuer bezahlen. Auch die Zunahme des Bluthochdrucks (Hypertonie) ist eindeutig in diesem Zusammenhang zu sehen.

 

Symptome auf der psychischen Ebene

 

Schlafmangel wirkt sich auch auf unsere Psyche aus. Mehrere Studien belegen, dass Menschen schreckhaft, reizbar/aggressiv und misstrauisch werden, wenn sie über längere Zeit nicht auf ihr persönliches Schlafquantum kommen. Die Stimmung verschlechtert sich, Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit nehmen stark ab. Wird der Schlaf, egal ob freiwillig oder gezwungenermaßen, über einen längeren Zeitraum auf ein absolutes Minimum reduziert oder gar völlig verhindert, stellen sich!

 

Einige Wenige erkennen mittlerweile die Datenlage zu dieser falschen Zeit an. So spricht sich auch die "Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin" für eine Beibehaltung der Normalzeit aus. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der „Hauptzeitgeber“ für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus.

 

All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Normalzeit gewährleistet. Die Normalzeit ist die Zeit die wir JETZT haben und die irriger Weise von vielen Menschen als "Winterzeit" bezeichnet wird.

 


keine neue Erfindung


Die heute gültige Zeitverstellung wurde "uns" im Jahr 1980 "verordnet" und bringt uns mit schöner Regelmäßigkeit zweimal im Jahr um den Schlaf und unsere Körperfunktionen völlig nutzlos durcheinander

 

1980 war aber nicht das erste Mal, dass eine Zeitumstellung eingeführt wurde.

 

Erstmalig gab es so etwas im Jahr 1916. Und auch während des Zweiten Weltkriegs gab es mehrere Verordnungen, die die Sommerzeit an- und wieder abschafften.  In der Nachkriegszeit bis 1949 gab es dann fast jährlich neue Regelungen der Sommerzeit, wo diese mal am 24. Mai, dann am 14. Mai, dann am 6. Mai um 2 Uhr oder 3 Uhr zu beginnen hatte. Es sieht in der Geschichte der Sommer-uhr-zeit fast so aus, als ob diese sich nach den Wünschen der Politik zu richten hatte und immer dann ihren Puls herabfahren musste, wenn jemand es für opportun hielt.

 

Kein Wunder also, wenn in Deutschland auch die Zeit kein Mitbestimmungsrecht hat. Denn eigens für diese gibt es ein Einheiten- und Zeitgesetz, dessen Paragraph 5 das Bundeswirtschaftsministerium ermächtigt, entsprechende Verordnungen zu erlassen.

 

Bis 2001 gab es eine „Zeitverordnung“ von 1997, die dann von 2002 von der Sommerzeit-Verordnung ersetzt wurde, die die Sommerzeit auf unbestimmte Zeit „befahl“. Und damit die Zeit sich auch an die für alle verbindlichen gesetzlichen Auflagen hält, wird sie von einer Atomuhr in Braunschweig kontrolliert, die uns allen sagt, was es geschlagen hat. Wofür wird dieser Aufwand betrieben, dass es sogar mit einer gesetzlichen Regelung der Zeit einhergeht?

 

Schmackhaft wurde dem Bürger die Zeitverstellung mit einer Reihe von Vorteilen gemacht, die keine wirklichen Vorteile sind. Die Hauptbegründung war die Einsparung von Energie. Aber bis heute gibt es dafür keine überzeugenden Beweise, dass hier wirklich Energie gespart wurde.

 


Aber, die schönen langen Sommerabende…


 

 

Dann werden immer gerne die "schönen langen Abende" angeführt. Stimmt das überhaupt?

 

Die Tageslichtphase liegt im Sommer zeitlich gesehen günstiger. Wenn im Hochsommer die Sonne um 3:30 Uhr Normalzeit aufgeht, dann ist das unter den Bedingungen der Sommerzeit erst um 4:30 der Fall. Das heißt, dass Leute, die um diese Zeit aufstehen müssen, mit der Sonne aufstehen, was bei der Normalzeit nicht der Fall wäre. Bei Normalzeit würde die Sonne schon seit einer Stunde scheinen.

 

Dementsprechend verschiebt sich der Sonnenuntergang von circa 21:00 Uhr auf 22:00 Uhr, was natürlich hinten und vorne nicht stimmt, denn die Sonne geht weder früher auf, noch später wieder unter. Wir haben nur die Zeit verstellt.

Der Abend wird "anscheinend" eine Stunde länger. Wer daran gewöhnt ist, etwas früher ins Bett zu gehen, geht bei vollem Sonnenschein ist Bett, wenn er sich nach der Atomuhr in Braunschweig richtet.

 

Das Tolle an der ganzen Sache ist (und hier ist der einzige Vorteil), daß abendliche Freizeitaktivitäten viel länger bei Tageslicht erfolgen können, begleitet von angenehmen Außentemperaturen.

 

Sollte jedoch die „Sommeruhrzeit“ auf ewig gelten, sieht die Sache schon ganz anders aus und das ist den meisten Menschen noch nicht aufgegangen.

 

Dann stehen wir nämlich auch im Winter eine Stunde früher auf. Es macht sehr wohl einen Unterschied, was die Dunkelheit und die Kälte im Winterhalbjahr angeht, ob man um 5 oder um 6 aufstehen muss. Und abends ist dann auch nichts mehr mit den langen Abenden, wenn es schon ab 15 Uhr, dass dann 16 Uhr ist, duster ist.

 

Es ist eine perfide Manipulation, die Menschen zu fragen, ob sie lieber Sommer- oder Winterzeit möchten. Bei vielen entsteht sofort spontan ein Sommergefühl. Natürlich wird dann Sommerzeit gewählt.

 

Dabei geht es hier nicht um die Jahreszeiten. Das sollte jeder klarhaben.

 


Warum wird die Umstellung nicht einfach abgeschafft?


 

Im Jahr 2005 gab es eine Anfrage der FDP-Fraktion, ob es eine Energieeinsparung durch die Zeitumstellung gäbe. Bei der Beantwortung der Frage musste die Bundesregierung zugeben, dass das nicht der Fall sei. Warum aber dann nicht für immer auf Normalzeit umstellen und die Sommerzeit abschaffen? Erklärung der Politiker: Man hält an der Sommerzeit fest, so lange die EU an ihr festhalte. Noch Fragen?

 


das Märchen von der gesunden Sommer-(uhr)-zeit


 

Jeder Mensch (das Gleiche gilt auch für Tiere) hat einen chronobiologischen Rhythmus. Dieser passt sich auf natürliche Weise den Jahreszeiten mit ihren Sonnenverläufen an.

 

Die Umstellung auf Sommerzeit jedoch hat, laut Psychologen und Mediziner, eine Reihe von negativen Auswirkungen auf den Organismus. Besonders große Schwierigkeiten haben hier die Menschen mit Schlafstörungen und organischen Beschwerden.

 

Eine Arbeit aus dem Jahr 2007 aus der Ludwig-Maximilian-Universität München zeigt, dass die initiale Umstellung im Frühjahr auf die Sommerzeit ein Problem für den menschlichen circadianen Rhythmus darstellt, der sich nicht an diese Umstellung anpassen kann. Eine Mutter aus Bayern beschreibt das in einem Leserbrief sehr anschaulich: Zombies am Frühstückstisch.

 

Auch der sonst übliche Anpassungsprozess des Organismus an die saisonalen Veränderungen der Lichtverhältnisse wird durch die Umstellung auf die Sommerzeit empfindlich gestört. Und diese Störungen können unter Umständen auch auf andere biologische Prozesse im menschlichen Körper einen nachhaltigen Einfluss haben

 

Wie weit diese „anderen biologischen Prozesse im menschlichen Körper“ gehen können, zeigt ein Artikel aus dem „New England Journal of Medicine“. Hier sehen die Autoren einen signifikanten Anstieg von Herzinfarkten während der Sommerzeit.

 

Sie sagen: „Die Häufigkeit von akuten Herzinfarkten war in den ersten drei Wochen nach der Umstellung auf die Sommerzeit signifikant erhöht“. In diesem kurzen Zeitraum gab es eine Erhöhung der Infarktraten von 5,1 Prozent, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit dem bloßen Zufall zu erklären ist (Shifts to und from Daylight Saving Time und Incidence of Myocardial Infarction). Auch eine Langzeitanalyse DAK-Krankenkasse sieht einen Zusammenhang zwischen der Zeitumstellung im Frühjahr und Herzinfarkten.

 

Zahlreiche Schlafforscher kritisieren mittlerweile die Zeitumstellung und vor allem auch die "unnatürliche" Sommerzeit. Auch der deutsche Arzt Hubertus Hilgers, weist immer wieder auf die negativen Folgen der Sommer-uhr-zeit hin. Und: Die Sommerzeit ist eben NICHT die Normalzeit. Die Normalzeit ist die "Winter-uhr-zeit".

 

Der Wissenschaftler Horst-Werner Korf vom Chronomedizinischen Institut der Universität in Frankfurt/Main sagt: "Wenn Sie im Arbeitsleben sind, müssen Sie sich ja an den Rhythmus der Gesellschaft anpassen". Das bedeute auch, dass der biologische Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme sich verändere und der permanente Wechsel zu Funktionsstörungen führe. Insbesondere die Leber (unsere chemische Fabrik) könne sich daran kaum anpassen.

 

Fazit -Von Minijetlag bis Herzinfarkt – viele Nachteile, keine Vorteile

 

In vielen Bereichen des privaten Lebens und des Arbeitslebens ist die Zeitumstellung eine unnütze und unnötige Mehrbelastung, die empfindliche Konsequenzen mit sich bringen kann. Vorteile sind keine nachzuweisen.

 

Die Zeitverstellung bringt nicht nur nach der Umstellung im Frühjahr mehr Herzinfarkte und Unfallopfer mit Todesfolge. Das dauerhaft falsche Zeitsignal beschert uns automatisch einen dauerhaften "Mini-Jetlag" mit fatalen Folgen für die Gesundheit. In der C*Krise ist das Thema scheinbar wieder aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden. Wir sollten jedoch nicht damit rechnen, dass es damit vom Tisch ist.

 

Solltest du also mal wieder gefragt werden, ob du immer „Sommer(uhr)zeit möchtest, erinnere dich bitte an diesen Artikel.

 


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